Sitzung des Holländisch-skandinavischen Komitees mit der Delegation der MSPD, 4. Juni 1917Sitzung des Holländisch-skandinavischen Komitees mit der Delegation der MSPD, 4. Juni 1917

Document nr: 
P/27b
Auszug aus der Mitschrift von Arthur Engberg
CHA, Stockholm, N. & C., Juni 1917:1. Hschr. (Engberg), 54 S.1

[...]2

   Scheidemann: Gen.[osse] Troelst.[ra] hat in seiner Anspr.[ache] gesagt dass unserer Erört.[erung] grosse Bed.[eutung] zukommt. So ist richtig. Wir wollen nachweisen dass unsere Polit.[ik] währ.[end] des Krieg[es] im Eink.[lang] zu uns.[erer] Pol[itik] vor dem Kriege steht.

   Uns.[ere] Pol.[itik] auch vor dem Kriege getadelt. Aber wir müssen widerspr.[uch] erheben wenn jemand sagt dass wir vor dem Kriege unser[e] Pfl.[icht] nicht getan haben. Wir haben einen anerkannten Kampf geg.[en] Milit.[arismus] u.[nd] Imp.[erialismus] geführt. Bis zum letzten Tage vor dem Krieg versucht ein Einverständ.[nis] zu finden mit Frankr.[eich]. Jaurès Thomas u[nd] Frank] die waren die grössten Vertreter des Einverständ.[nisses]. Ich erwahne dies[e] Nam.[en] desh.[alb] um zu zeig.[en] dass man Ihre [seine] Schuldig.[keit] tun kann gegen das Vaterl.[and] ohne die soz.[ialistischen] Grunds.[ätze] aufzugeben. Wir hatten gehofft ein Einverst.[ändnis] zu finden. Der Soz.[ialismus] zu schwach. Die eig.[entlichen] Grundurs.[achen] des Krieges sind klar: Imper.[ialismus], national.[e] Fragen. Im Juli die Einkreisung Deutschland[s] wirksam. Die Russen im Osten wirksam Frankreich nicht klar. Hinter ihnen stand Engl.[and] bereit. Bemühungen von Deutsch.[land] d.[en] Kr.[ieg] entw.[eder] zu verhüt.[en] oder zu lokalis.[ieren] ohnmächtig. Nicht ohne Wert für Sie zu hören dass unsere Friedensdemonstr.[ationen] im Juli nicht von der Reg.[ierung] gehindert wurden sondern im Gegenteil.

   Auch bei uns gab es diejenigen die den Wunsch nach dem Kriege hegten. Diese Leut.[e] waren Chauvinisten die noch über die Taht [Tat] der deutsch.[en] Reg.[ierung] empört waren. Die heft.[igen] Ausspr.[üche] von den Alldeutschen. Reichskanz.[ler] alles getan um der Krieg zu verhindern und zu warten. Desh.[alb] angegriffen. Überfl.[üssig] scheint mir über die Schuldfr.[age] der Dipl.[omatie] also zu erörtern.3 Verschuld. [Beschuldigung] der Part.[ei] kein[en] Wert. Wir standen am 4. August im Krieg. Stand unsicher ob auch Italien mitging. Im Handumdreh.[en] die Russen in Ostpreussen.

   Musst.[en] fragen: ist erst[e] Pflich[t] der Soz.[ialdemokraten] ihr Land zu verteidigen? Wir müssen die Frage bejahen. Kein Sozialdem.[okrat] der nicht vor der Wahl im Reichst.[ag] sich für die Landesverteid.[igung] nicht eingesetzt hätte.4 - Belege davon. - Für die Landesvert.[eidigung] mussten wir uns entscheid.[en]. Man hat uns auch verstanden. Wie haben wir gestimmt? Wir motivierten unsere Abstimmung genau. Samml.[ung] von unseren Reichstagsreden, Aufrufen u.s.w. damit Sie prüfen können.5 Erkl.[ärung] am 4. August haben wir gesagt: "Wir stehen nun vor der Tats.[ache] d.[es] Kriegs ... ." [Siehe Belegstelle! I Seite 9-10]6

   Bereits in uns.[erer] Erkl.[ärung] gesagt dass wir die Mittel zur Verteid.[igung] [bewilligen] aber treten ein für einen Frieden der die Völker zusammenleben lässt.

   Dann die zweite Erkl.[ärung] am 2. Dezember 14 [Auszüge!]7 (I Seite 10 (Kriegskredite)

   Dritte: Genoss. des Haase [Rede des Genossen Haase] 10 März 1915. Alles was Haase gesagt sind immer in der Fraktion vorgetragen ehe sie gehalten wurde. So immer. In dieser Rede sagt Haase: [Beleg! I Seite 15-16]8

   Vierte Erklär.[ung] 18. März 1915 wo ich mancherlei Kriegserschein[ungen] besprach (Belege I 18-21). Diese Rede im vollem Einverst.[ändnis] mit der Frakt.[ion].

   13. April 1915:9 [Belege I 23-24] ...10

   Mache Sie darauf aufmerk.[sam] dass wir die internat.[ionalen] Beziehungen gesucht [haben]. Doch wollen wir ins Gedächt.[nis] rufen den Ber.[icht] von 13. Dez.[ember] 1915 von Genossen Ebert über das was wir getan haben [Auszüge! I 25-26].11

   Sie müssen also zugeben dass wir alles getan haben um internat.[ionale] Verbindungen zu suchen. Die anderen gingen in die Reg.[ierungen] ein.12

   Was man von uns verlangte war das Unmögl.[iche]. Die Frage lag: Sieg oder Niederlage des eigenen Landes. Wir waren bereit und sind bereit einer gegenseitigen Aktion beizutreten. Wir verteidigen und werden das Land verteid.[igen] bis ein Einverständn.[is] gegenseitiger Art möglich ist. - 29. Mai 1915 hat Ebert über den Eintritt der Italiener in den Krieg [Verb fehlt] [Beleg]13 (I 25-26)

   Trotz der Verschärf.[ung] der Gefahr für uns.[er] Land glaubten wir uns verpflicht[et] unserem Friedenswunsch Ausdruck zu geben. Keine Eroberungen. An diese Erkl.[ärung] knüpfte sich Polemik von Westarp. Nur internat.[ionale] Gesichtspunkte von uns behauptet. - "Wenn hier von Wällen14 (Seite 28) ..." [Beleg 29. Mai 1915]15 (I Seite 27-28)

   In Ansch.[luß] an diese Rede kommt das Manifest 23. Juni 1915. Alle Parteien werden hier aufgefordet für den Frieden zu arbeiten [Beleg I 30-36]16 In diesem Manifest [steht] dass wir auch im preuss.[ischen] Abgeord.[neten]haus in derselb.[en] Richtung gearb.[eitet] haben. Das Manifest gibt die Erkundigung dass die Partei gegen Annexionen kämpft. Im Anschl.[uss] an dieses Manif.[est] eine Eingabe an den Reichskanzler. Haben ihm gesagt: I Seite 39 "Jeden Versuch Belgien zu vergewaltigen17

   Dann die Leitsätze 16. Aug.[ust] 1915 der Reichtagsfrakt.[ion] veröffentlicht.18 Hier einige Leitsätze: "Die Sicherung der Unabh.[ängigkeit] ... " [Belege I, 40]19 - "Offene Thür" [Beleg I, 40]20  "Förderl.[iche] wirtschaftl.[iche] Annäherung" (Belege I, 40) u.s.w. I, 41.

   Rede Davids 20. August 1915. (I, 43)

   Interpell.[ation] Scheidemanns 9. Dez.[ember] 1915. (I, 44-55)

Dann ausdrückl.[ich] uns bemüht im Reichstag den Eindr.[uck] zu erwecken als sei im Ausland eine grosse Friedensbewegung. Wir haben immer und immer die Friedensstimmen notiert und hervorgehoben (Beispiel I, 66)

   Will nicht all die Ding[e] die ich vortr.[agen] könnte vorführen. - Eberts Rede 21. Dez.[ember] 1915 (I, 64). - Rede Scheidemanns 6. April 1916 (I, 73-74, 81-83). Da mich ausgespr.[ochen] über die Demokr.[atisierung] Deutschlands. In Deutsch.[land] keine vorbildl.[ichen] Zustände. Aber etwas übertr.[ieben] wenn man sagt dass wir Autokratie haben u.[nd] Frankr.[eich] u.[nd] England Freiheit. Das verpreusstet [verpreusste] Deutsch.[land] nicht angebracht denn Preuss.[en] nur einer der 25 Bundessta[a]ten. Es sind keine Schwierigkeiten für Mehrheit u.[nd] Minderheit gewesen nach Sthm [Stockholm] zu reisen.21 So erbärmlich doch nicht die Zustände in Deutschl.[and] wie man sagt.

   Kundgeb.[ungen] des Parteivorstands viele und bedeutsame. Auf Grund der Antw.[ort] auf unser Friedensangebot viel Tadel gegen uns. Unser[e] Lösung ist die Revolution[ier]ung der Vernunft gegen diesen Krieg. Muss versuchen zu einer Konferenz zu kommen. Für die Regierungen noch schwieriger. Früher oder später, aber eine Konf.[erenz] muss einberufen werden. Bundesgenossen haben noch deutlicher den Frieden gefordert als der Reichskanzl.[er].

   Ein Frieden des Einverständnisses immer von uns gefordert. Die Konservativen hatten im Reichst.[ag] über den Frieden interpelliert. Dann taten wir es auch.

   Scheidemanns Rede II, 21 im Zusammenh.[ang] mit der Interpell.[ation]. Wenn uns das Ausland Angebote macht und die deutsche Regierung [sich] weigert und sagt dass wir den Krieg weiterf.[ühren] um Eroberungen zu machen da haben wir die Revolution im Lande.22 Und es gibt keinen in der Regierung der den Krieg fortführen wollte um Eroberungen zu machen. Ich will nur noch den Aufruf 11. Aug.[ust] 1916 vorführen [Beleg II, 28-29]23

   Weiter Beschlüsse des Parteiausschusses. Sehr wichtig die Kundgeb.[ung] 18.-19. April 1917. Eine einstimmige Resolution: II, 34-35 "Wir begr.[üssen] den Sieg der russ.[ischen] Rev[olution]" [Belege]24

   Sie werd.[en] zugest.[ehen] müssen dass die Polit.[ik] die wir geführt gradlinig ist. Alles für den Frieden getan ohne das Land aufzuopfern. Denkbar dass eine Partei den Vert.[eidigungs]nihil.[ismus] anerkennt. Wenn Zustände walten wie sie in Russland waren dann verstehe ich den Verteidigungsnih.[ilismus]. Aber nach der Revol.[ution] haben sie etw.[as] zu verteid.[igen]. Die russ.[ische] Rev.[olution]. Ohne unsere Verteid.[igung] wäre der Zar in Berlin eingezogen. Was dies bedeutet hätte wäre Triumpf des Zarismus. Im Inlande werden wir als Landesverrät.[er] beschimpft u.[nd] in [im] Ausl.[and] als Agenten des Bethm.[ann] Hollw.[eg] und als Kaiseristen. Unkenntn.[is] der Dinge haben diese Schimpfe ermöglicht. Wenn wir einen Wunsch ausspr.[echen] können wäre es dass auch die Genoss.[en] in Frankr.[eich] u.[nd] Engl.[and] ihre Kundgebungen zur Verfügung stellen damit wir vergleichen.25

   Bin am Ende. Verzichte auf alle Rethorik und jeden Appell an die Leidenschaften, appelliere auf die Tatsachen vorzuführen.26 Die Internat.[ionale] ein ganz anderes Urteil als einzelne Parteien.27

   van Kol: Möchte sagen dass die Ausführ.[ungen] des Gen.[ossen] Scheidemann gezeigt [haben] dass die deutsch.[en] Gen.[ossen] nicht so afrikanisch schwarz sind. Die Hauptsache worum es geht: Hat Deutschl.[and] wirkl.[ich] eine[n] Verteidigungskrieg [geführt] ? Deutschland hat den Arbitrage geweigert als es Engl.[and], Frankr.[eich] und Russl.[and] wollten. Deutsch.[land] hat Oesterr.[eich]-Ung.[arn] die freie Hand gelassen im Anfang.

   Lange Freundsch.[aft] zwischen dem Zaren und dem Kaiser.

   Ausser Deutschl.[and] gibt es kein Land das glaubt dass Deutschl.[and] einen Verteid.[igungs]krieg führt. Glaube dass die Genossen in Deutschl.[and] betrogen sind und noch nicht die Wahrheit kennen. Haben nicht die Genossen in Deutsch[land] mit Misstrauen gegen die Reg.[ierung] auftreten sollen.

   Scheidem.[ann] hat nicht von Belg.[ien] gespr.[ochen]. Sie haben nicht gegen die Greuel in Belg.[ien] gespr.[ochen]. Deshalb mitschuldig. Habe selbst die Greuel in Belg.[ien] gesehen.

   Und die Unterseebo[o]te. Glaubt Scheid.[emann] dass Wilson den Krieg gewollt haben. Auch die deutsch.[e] Reg.[ierung] will jetzt den Frieden weil sie sieht dass ihre Annexionspläne gescheitert sind.

   Aber unsere Genossen haben noch nie gegen den Kanzler gesagt: das wollen wir. Und gegen Belgien hätten Sie auftreten müssen. Demokrat.[isierung] Deutschlands wichtig. Eins ist richtig. Wird Deutsch.[land] demokr.[atisch] dann würde der Friede schon kommen.28

   Ebert: Noch zur Geschäftsführung eine Bemerk.[ung] Scheidemann hat vermieden pol.[emisch] zu sein gegen andere Partei[en]. Überrascht zu hören dass van Kol davon den Anlass genommen [hat] eine Strafrede gegen die deutsche Sozialdemokr.[atie] zu halten. Schlage vor dass wir Zeit bekommen zur Antwort.

   Troelstra Notw.[endig] dass wir uns offen ausspr.[echen]. Besser dass die deutsche Deleg.[ation] dies von Neutralen erfährt als von den Gegnern. Van Kol hat nur den Anfang machen wollen mit unausweichlichen Auseinandersetzungen. Von unserem Kommitte muss auch Kritik ausgeübt werden. Die deutsche Deleg.[ation] steht nicht vor einem internat.[ionalen] Gerichtshof. Aber wir sind hier als Leute die mit einander für das Prol.[etariat] gekämpft [haben]. Aber um uns zu verstehen müssen wir uns aussprechen. Wir müssen in die Luft des Internat:[ionalismu]s wieder kommen.

   Branting: Ich muss auch darüber mich verwund.[ern] dass die deutsch[en] Gen.[ossen] kein Wort aus anderen Gesichtspunkten hören wollen. Solche Auseinandersetzung u.[nd] noch schärfere sind notwendig. Vor einem Tribunal sitzen - davon ist nicht die Frage bis zu gewisser Grenze aber jede Partei der Internationale hat Pflicht und Recht sich zu rechtfertigen. In der Generalkonf.[erenz] muss es zu solchen Ausführungen [kommen]. Es ist unausbleiblich wenn eine solche allg.[emeine] Konf.[erenz] zustande kommen kann. Es ist besser dass dies sofort gesagt wird. Was uns am Herzen liegt ist dass ein Gewitter nicht derart ausartet dass es die Konferenz sprengt. Man muss sich darin sammeln können für den Frieden zu arbeiten. Gewöhnt dass leidenschaftl.[iche] Debatten geführt wurden. Bisher die Deutschen nicht diejen.[igen] die angegriffen wurden. Ich will den deutsch.[en] Genossen nichts mehr über das was van Kol u.[und] Scheidemann gesagt haben auseinandersetz.[en] Was Scheid.[emann] gesagt hat ist eine Reihe des taktischen Vorgehens. Es giebt aber Lücken. Wir sind mit Ihnen einverstanden dass wir den Verteidig.[ung] nicht ablehnen. Eine kleine derat.[ige] Gruppe hier in Schweden.29 Eben weil wir völlig auf demselb.[en] Standp.[unkt] in der Hins.[icht] stehen so können wir nicht daraus schliessen dass wir jede Reg.[ierung] stützen müssen. Eine soz.[ialistische] Part.[ei] kann sogar während eines Krieges gegen ihre Reg.[ierung] Stellung nehmen müssen. Ein Urt.[eil] über die deutsche Partei wie sie im Kriegsbeg.[inn] auftrat will ich nicht fällen und habe nicht gefällt. Aber je länger die Zeit gegengangen ist um so mehr haben wir uns verwundert dass Sie es noch als Verteidigungskrieg betrachten. Es ist nicht gut wenn Sie nicht wissen wie über ihr Verhalten beurteilt wird.

   Die belg.[ische] Frage: Es ist wenig was im Ausland den Deutschen gegenüber solche Verstim.[mung] gemacht hat dass die deutsch.[en] Sozialdemokr.[aten] nicht gegen die Vergewalt.[igung] Belgiens protestiert haben.30 Als die Verletzung vom Reichskanz.[ler] verteid.[igt] wurde da hätten sie protest.[ieren] sollen. Dasselbe gilt von allen fürcht.[erlichen] Methoden der Kriegsführung. Wir wissen und haben anerkannt dass Sie die Deport.[ationen] aus Belg.[ien] verurteilt haben und dagegen gearbeitet. Aber weiter: die Verwüstungen in Belgien und Nordfrankreich. Dazu dieser Ubootskrieg. Auch dies hat die Stimmung der Neutralen gegen Deutsch.[land] gewandt. In den konserv.[ativen] Kreisen hier in Schweden ist in diesen letzten Wochen eine völlige Umstimmung eingetreten wegen der Versenkung unsere Boote.31 Sie müssen es verstehen lernen dass man Gründe hat Beschwerde zu führen. Aber nat.[ürlich] auch gewiss die die engl.[ische] Regierung geschaffen [hat]. Will mich nicht mehr in dies Thema hineinlassen. Sie haben, Gen.[osse] Scheidem.[ann], geäussert dass man die deutsch.[en] Annexionisten bald alle in eine Droschke setzen kann. Die Rede des Reichskanzlers hat doch der Beifall der bürgerl.[ichen] Parteien empfangen. Deshalb ist es eine Hauptfrage ob sie es vertrauen können in Frankreich und England, dass die Annexionspläne von der deutsch[en] Soz.[ialdemokratie] unmöglich gemacht werden. In Haag haben wir gewünscht dass eine volle Sam[m]l.[ung] der Internat.[ionale] zustandekom[m]t,32 aber ich versteh[e] die Bedenken der franz.[ösischen] u.[nd] engl.[ischen] Genossen.

   Was die Demokrat.[ie] betr.[ifft] so haben Sie noch keinen Parlamentarismus und das Wahlrecht ist so geschmälert dass Sie keinen geringsten Einfluss haben. Erinner[e] mich dass David darüber ganz klar ist. Kann es in Deutschland ein Parl.[amentarisches] System geben. Aber giebt es nicht Sphären in Deutschl.[and] die Einfluss entscheidender Art ausüben. Es fragt sich ob nicht die milit.[ärische] Führung stark genug ist ihren Willen gegen die Soz.[ialdemokratie] durchzusetzen. Die Gen.[ossen] in den Westmächten sagen: kann man überhaupt einen dauernden Frieden hoffen von Leuten die Traktate als Papierfetzen betrachten? Ich möchte auch betonen, dass Genosse Scheidemann diese Punkte nicht geklärt hat. Die Bemerk.[ungen] d.[es] Gen.[ossen] van Kol sollen Sie nicht übel nehmen, die meinigen auch nicht, denn sie stammen diese Bemerk.[ungen] aus dem ernsten und lebhaft.[en] Wunsch Klärung zu schaffen. Missverst.[ändnisse] müssen beseitigt werden. Es bleibt doch leider eine Verschied.[enheit] der Auffass.[ungen] bestehen. Aber solche Verschied.[enheiten] hatten wir früher und die Internat.[ionale] lebte jedoch. Auch wenn man Sie nicht durch und durch verstehen wird so wird es uns mögl.[ich] sein alle für den Frieden zu arbeiten.33

[...]


Anmerkungen

1   Einige mit Tinte eingefügte Formulierungen werden nicht gesondert gekennzeichnet. Durch Nässe z.T. beschädigt und daher gelegentlich schwer lesbar. Nach den einleitenden Mitteilungen von Troelstra, nachgewiesen in Dok. Nr. P/27a, "wörtliche Aufzeichnungen" von Engberg. Siehe im übrigen Dok. Nr. P/27a, und dort Anm. 1 Nachweise zur Sitzung.

2   Es werden im folgenden nur die Mitschrift der Rede von Scheidemann (S. 8-29), die im Protokoll, Dok. Nr. P/27a, nicht angeführt ist, und die unmittelbaren Reaktionen von Van Kol, Ebert, Troelstra und Branting wiedergegeben. - Scheidemann sprach 1 1/4 Stunden. "Dabei flocht ich allerlei kleine Bosheiten hinein, indem ich beiläufig Entschließungen der französischen Sozialisten anführte usw.", so Scheidemann 1921, S. 131. Ausführliche Stichpunkte in den Notizen von Branting und im Bericht im Vorwärts, nachgewiesen in Dok. Nr. P/27a, Anm. 1. - Scheidemanns Rede ist ein Beispiel für den vom österreichischen Gesandten in Stockholm, Hadik, vermittelten Eindruck, daß die MSPD-Delegation "mit Geschlossenheit und Selbstbewußtsein, durchdacht und gut vorbereitet" auftrat, aber zugleich mit mangelnder "Elastizität", zitiert bei Wanner 1983, S. 472.

3   In den in Dok. Nr. P/27a, Anm. 1, nachgewiesenen Notizen von Branting: "Skuldfrågorna överflödiga, oändlig diskussion" [Die Schuldfragen überflüssig, unendliche Diskussion]. - Zur Schuldfrage auch Dok. P/27a, Anm. 18.

4   Ersetzt gestrichene Formulierung: "den Schwur für die Landesverteidigung machte".

5   Die deutsche Sozialdemokratie über Krieg und Frieden, siehe genauen Nachweis in Dok. Nr. P/27a, Anm. 13.

6   Auslassungspunkte und die folgenden eckige Klammern in der Vorlage.

7   Eckige Klammern in der Vorlage.

8   Eckige Klammern in der Vorlage.

9   Konferenz der Sozialisten der Mittelmächte, dazu Blänsdorf 1979, S. 169-177.

10   Auslassungspunkte und die vorhergegangene eckige Klammer in der Vorlage.

11   Eckige Klammern in der Vorlage.

12   In den in Dok. Nr. P/27a, Anm. 1, nachgewiesenen Notizen von Branting: "Gingo in i reger.[ingen] o[ch] understödde reger.[ingar], som vill annexioner - vi beskylls för annexionister" [Traten in Regierungen ein und unterstützten Regierungen, die Annexionen wollen - wir werden als Annexionisten beschuldigt].

13   Eckige Klammern in der Vorlage.

14   Ersetzt gestrichene Formulierung: "Um das Land zu schützen... [so im Text]".

15   Auslassungspunkte und die vorhergegangenen eckigen Klammern in der Vorlage.

16   Auslassungspunkte und vorhergegangenen eckigen Klammern in der Vorlage.

17   Danach gestrichen: "löst unsere Koalition auf".

18   Zur Reichskonferenz des Parteiausschusses und der Fraktion der SPD vom 14.-16.8.1915 und zu den verabschiedeten Leitsätzen Miller 1974, S. 104ff., 195-199, 208f., 216f., 233f. Leitsätze abgedruckt z.B. bei Scheidemann 1921, S. 27f.; Matthias/Pikart 1966, S. 59-69. 

19   Auslassungspunkte und die nachfolgenden eckigen Klammern in der Vorlage.

20   Eckige Klammern in der Vorlage.

21   Zu den Paßproblemen der USPD siehe Nachweise in Dok. Nr. P/20, Anm. 4.

22   Van Kol notierte in diesem Zusammenhang in seinen in Dok. Nr. P/27a, Anm. 1, nachgewiesenen Notizen: "Scheidem. une révol. allem. glatt unmögl.[ich]".

23   Eckige Klammern in der Vorlage.

24   Eckige Klammern in der Vorlage.

25   Siehe Dok. Nr. P/27a, Anm. 14.

26   Ursprüngliche Formulierung: "Verzichte auf alles andere als die Tatsachen vorzuführen". Dann Einfügung und entsprechende Streichung.

27   Scheidemann zur Wirkung seiner Rede siehe Dok. Nr. P/27a, Anm. 15. Siehe auch Dok. Nr. P/30.

28   Zur Wirkung der Rede von Van Kol siehe Dok. Nr. P/27a, Anm. 16.

29   Siehe Dok. Nr. P/27a, Anm. 21.

30   Siehe Dok. Nr. P/27a, Anm. 22.

31   Siehe Dok. Nr. P/27a, Anm. 23.

32   Zur Konferenz der sozialistischen Parteien der neutralen Länder im Haag, 31.7.-2.8.1916, siehe Graß 1975, S. 225-242, und Blänsdorf 1979, S. 307-329.

33   Zur Wirkung von Brantings Rede siehe Dok. Nr. P/27a, Anm. 25.