Sitzung des Holländisch-skandinavischen Komitees, 11. Juni 1917

Document nr: 
P/31a
CHA, Stockholm, N. & C., Juni 1917:1. Hschr. (Arthur Engberg), 35 S.1

Comité le 11 juin 1917

Présents: Branting, Troelstra, Albarda, van Kol, Stauning, Nina Bang, Vidness [Vidnes], Möller, Huysmans, Engberg.

Stellungnahme zur russischen Initiative

Le 11 juin 1917.

   Branting Schlägt vor: Telegr.[amm] an die Russen dass wir Antwort erwarten wann sie kommen werden.2 - Dies d.[er] erste Schritt.

   Später noch der zweite Schritt wenn wir eine Antwort bekommen. - Nichts anders zu tun als die Konferenzen fortzusetzen. - Die Engländer bald hier.3 - Die Franzosen werden gewiss kommen.

   Huysmans: Notw.[endig] eine Formel für die Vereinb.[arung] der Initiativen zu finden.

   Branting Damit einverstanden. Es muss die Init.[iative] bei uns liegen.4

   Vidness [Vidnes]: Der Lafond [Lafont] hat gesagt dass er günstig für unsere Konferenz ist.5

   Branting: Persönliches Zusammentreffen notwendig. Sonst geht's nicht. Die Daten, die die Russen gegeben haben, müssen verschoben werden.6 Die Zimmerwaldkonf.[erenz] scheint auch daran geknüpft.7Vorschlag: dass wir unsere Arbeit fortsetzen.

   Troelstra: Wir haben vorläufig Arbeit. Deutsche Majorität. - Nemec und die Ukrainer.8 Dann nach Petrograd gehen.9 Es ist notw.[endig] die verschied.[enen] Tendenzen zusammenzuführen. Wir müssen sagen dass wir an die Arbeit gezogen sind um sie zu verbinden. Habe selbst vorgeschlagen dass die Schuldfrage behandelt werde, damit man sozusagen in die Seele der verschied.[enen] Parteien kommt. Stellt man die Forderung auf dass man unparteiisch untersucht was jede Partei getan hat dann kommt man nie zu Ende. Es wird auch Zersplitterung bringen.

   Stauning: Es dreht sich nur nicht um das was Russland will. Der Brief der 3 Minister Thomas Vandervelde u.[nd] Hend[erson] machten eine Sitzung notwendig.10

   Huysmans: Liesen [lesen] wir zuerst den Brief vor.

   Branting: Trägt den Brief in deutscher Sprache vor. [Siehe Beilage !] [Brief unterzeichnet von Thomas, Vandervelde u.[nd] De Brouckère]11

   Stauning:12 Scheint mir nicht dass dies etwas ändert. Der Brief niederdrückend. Nicht viel von soz.[ialistischem] Geist in sich. Die Briefschreib.[er] schlagen fest dass es nutzlos und gefährl.[ich] ist sich an einer Konf.[erenz] zu beteiligen wo Vertreter d.[er] deutsch.[en] Majorität anwesend sind. Die russ.[ischen] Soz.[ialisten] haben ihren Standp.[unkt] nicht geändert. Die Minister (Hend.[erson] Vand.[ervelde]) haben dem Arb.[eiter]rat gedrungen sich an einer Konf.[erenz] zu beteil.[igen]. Dann Schwenkung zum urspr.[ünglichen] Standpunkt einer allg.[emeinen] Konf.[erenz]. - Die Ausspr.[ache] vom Imperialismus: es muss bemerkt werden dass der engl.[ische] Imperialismus ebenso ausgeprägt ist wie alle andere[n]. - Es ist dieser Standp.[unkt] fern vom dem int.[ernationalen] sozialistischen. Waltz gesagt dass der Krieg noch 2 Jahre dauern muss.13 Lafond [Lafont] hat 3 Jahre in Aussicht gestellt. Waltz gesagt dass Russl.[and] nicht in Betracht mehr kommen kann als milit.[ärischer] Faktor. - Man kann vermuten dass Amerika gew.[isse] Verspr.[echungen] auf Soldaten gegeb.[en hat] und dass etw.[as] bei der geheimen Sitz.[ung] d.[es] franz.[ösischen] Parl.[aments] geschehen ist. Deshalb notw.[endig] zu überlegen ob wir fortsetzen werden. Klar machen ob wir ohne die Westmächte weiterarbeiten sollen oder die Arbeit aufschieben. Die letzten Nachrichten aus Engl.[and] u.[nd] Frankr.[eich] niederdrückend. - Pässe d.[er] Labour Party. - Die opt.[imistischen] Bemerk.[ungen] Huysmans' sehr erfreulich aber stehen im Widerspruch mit dem Ministerbrief der für eine Konf.[erenz] der Alliierten eintritt. - Doch muss das Komité schneller mit den Delegationen beraten. Das Kom.[itee] hat immer noch Stoff für seine Arbeit. Unbed.[ingt] notw.[endig] eine Mitteilung an die Öffentlichkeit zu geben. - Eine starke Beeinflussung durch persönl.[iche] Verbind.[ungen] auf Russl.[and] möglich. Mein Gedanke dass der Friede der das Ziel war nicht unter den gegenwärt.[igen] Verhält.[nissen] erreicht werden kann. Wir müssen jetzt wo wir der Welt die Hoffnung gegeben haben, etwas an die Arb.[eiter]-Kl.[asse] veröffentl.[ichen] wie die Lage wahrhaft ist. Die Initiative Russl[and]:s kann nur vereinigt werden durch direkte Verhandl.[ungen]. Das beste die Russen ihren eigenen Weg gehen zu lassen.

   Branting: Diese deutsche Rede die wir gehört haben fordert einige Bemerk.[ungen]. Beschränke mich darauf dass es unsinnig ist zu sagen dass der Brief den wir gehört haben nicht in soz.[ialistischem] Geiste geschrieben ist weil man nicht mit Unterstützern einer imperialistischen Politik unterhandeln will. Mein ganz bestimmter Protest gegen die einseit.[ige] u.[nd] falsche Darstellung die Stauning vom Inhalt des Briefes gegeben hat. Die Briefschreib.[er] fordern einen Bruch mit den Soz.[ialiste]:n die eine imper.[ialistische] Pol.[itik] stützen. Dies erklärlich ob es gleich nicht meine Auffassung ist. Denn wenn die Schuldfrage behand.[elt] wird muss es den Deutschen freistehen ihre Meinung kundzugeben den anderen Parteien gegenüber. Mögl.[ich] dass es dann zum Bruch kommt. Diese Gefahr von uns beachtet. Doch ist dies die einzige Mögl.[ichkeit] eine allg.[emeine] Konf.[erenz] zustandezubringen. Ich verstehe es dass die Deutschen es nicht gerne haben die Schuldfr.[age] zu behand.[eln]. Wir sind doch hier nicht um diesen Spiele mitzumachen sondern wir können nicht die Westmächte als quantités negligeables [betrachten]. Man muss sagen dass das Schlimmste von allem ist wenn wir jetzt alles aufgeben müssen. Dass die Erreichung des Friedens sogleich mögl.[ich] ist durch diese Konf.[erenz] ist Illusion. Wir sind hier nicht um einen augenblickl.[ichen] Frieden zu bringen sondern um die Internationale wiederherzustellen. Wenn wir jetzt sagen dass unsere Arb.[eit] misslungen ist und den Russen die Arb.[eit] überlassen dann kommt die völlige Wirrniss, Terrain für Zimmerwald, Chaos in der Internationale. Im Gegenteil gibt es in unserer fortgesetzten Arbeit einen Stützpunkt. Dringende Pflicht gegenüber d.[er] Int.[ernationale] dass wir dies Zentrum aufrechterhalten u.[nd] mit den Separatkonf.[erenzen] untersuchen was aus d.[en] Erklärungen zu machen ist. Stauning hat sich auf persönl.[iche] Meinungen von Waltz u[nd] Lafond [Lafont] gestützt. Das ist zwar zu beachten aber in einigen Monaten kann es anders sein. Im Haag sind wir doch überein dass der Angriff misslungen war.14 Ganz entgegengesetzte Meinung zu Stauning. Wir müssen fortsetzen.

   Stauning Weiss dass die Auffass.[ung] Branting's nicht mit der meinigen zusammenfällt. Aber ich will diesen Weg gehen. Will mit meiner Partei beraten. Wir können hier nicht Monat nach Monat die Franz.[osen] erwarten.

   Troelstra: Die deutsche Rede d.[es] Gen.[ossen] Stauning u.[nd] die franz.[ösische] Rede d.[es] Gen.[ossen] Branting15 erfordert einige Bemerk.[ungen]. Dass der Krieg das Ziel haben muss nur den deutsch.[en] Imperialismus niederzuschlagen kann unsere Arb.[eit] nicht fordern. Wir müssen die prol.[etarischen] u.[nd] soz.[ialistischen] Kräfte in jedem Volke gegen die imp.[erialistischen] Kräfte jedes Landes verbinden. Dies das einzig Mögliche. Gen.[osse] Branting macht einen zu scharfen Unterschied zwischen der Wiederherst.[ellung] der Internat.[ionale] u.[nd] der Wiederherst.[ellung] des Friedens. Wir können zwar nicht den Frieden machen. Aber wir wollen die Internationale wiederherst.[ellen] um Voraussetzung eines Friedens zwischen den Parteien zu schaffen und dann zwischen den Völkern. Wenn man an eine derart.[ige] Frage antritt darf man nicht vom Interesse einer Partei ausgehen. Man muss sich nicht nur gegen den Imp.[erialismus] eines Landes wenden. - Staunings Rede zu pessimistisch.16 Auch Adler war sehr pessimistisch.17 Aber ich muss sagen dass Gen.[osse] Staun.[ing] uns klar nicht gemacht hat was wir eigentl.[ich[ tun sollen. Es wäre eine grosse Blamage die Arbeit aufzugeben. Es kann ein Augenbl.[ick] kommen wo die Ausführ.[ungen] d.[es] Gen[osse]:n Stauning gelten werden. Aber im Moment nicht. Höchst unangenehmen Eindruck von den Berichten d.[es] Genossen Waltz. Habe den Eindr.[uck] dass die Minister der Entente den echt soz.[ialistischen] Frieden verderben. Im Briefe operiert man mit den Forder.[ungen] u.[nd] Prinz.[ipien] d.[er]. Internat.[ionale] aber sie werden in ihr Gegenteil umgesetzt. Man sucht sich einzufangen mit schönen Reden. Man versucht sich abzubringen von den Bestreb.[ungen] die Internat.[ionale] zu vereinigen. Das versteht sich dass dies nicht geht. Untergang d.[er] Internat.[ionale]. Wird die Sache so insceniert [inszeniert] dass man vom Anf.[ang] einen Teil ausschaltet entweder direkt oder indirekt durch eine Resolution - dann muss ich meine Teilnahme ablehnen. Dazu kann ich nicht beitragen. Nicht so dass ich keine Kritik gegen die deutsche Majorität hätte. Im Gegenteil. Aber ich muss andrerseits zugestehen dass die Ausschaltung einen Anfang der Spaltung der Internat.[ionale] bedeuten sollte. Eine Fortsetzung des nat.[ionalen] Kampfes würde in die Internat.[ionale] eingeführt. Daran will ich nie mitschuldig werden. Was in Frankreich geschehen ist war nur zu erwarten.18 Dass in Engl.[and] nachd.[em] der Labour Party zu seinem Besch.[luß] gekommen sind eine Reakt.[ion] d.[er] Arbeiter eingetr.[eten] ist - das war auch zu erwarten.19 Die einzige Folgerung ist da für mich: unsere Arbeit muss nur verlängert werden. Es ist gar nicht die Rede von weitschweifigen Erklärungen. Im Gegenteil. Sehr zusammengedrängte Berichte sind gegeben. - Ich hatte im Anfang Bedenken dagegen. Ich habe ich [sie] nicht mehr. Ich fürchtete nur dass die Leute von ihren Reg.[ierungen] wegen ihrer Ausspr.[üche] gehindert werden. Wir haben doch gesehen dass die Haltung d.[er] Reg[ierunge]:n sich auf Polemik beschränkt hat. Man kann die Berichte so legen wie man will. In der Konf.[erenz] kann man sich freier aussprechen. Millionen u.[nd] Millionen sehen nach Stockh.[olm]. Die Veröff.[entlichung] d.[er] Berichte hat neue Nahrung gegeben. Deshalb ist Stauning zu pessimist.[isch]. Wir sollen nicht aufhören. Wir sollen fortsetzen u.[nd] die Delegationen hören je nachdem sie sich melden. Auf den Brief der Petr.[ograder]-Ent.[ente]-Genossen-Minister kann ich nicht das Gewicht legen das Stauning darauf legt. Gen.[osse] Branting hat Recht wenn er sagt dass die Einwände d.[er] franz.[ösischen] u.[nd] engl.[ischen] Genossen zu erwarten waren.20

   Huysmans: Nimmt man es so dass die deutsch.[e] Partei zwar nicht imp.[erialistisch] ist aber stützt eine Reg.[ierung] deren Ziele nicht klar sind - so ist die Lage doch erklärlich.

   Troelstra: Die franz.[ösische] Reg.[ierung] hat viel schlimm.[ere] imper.[ialistische][Ziele] formell gegeben. Sollen wir denn auch nicht die franz.[ösischen] Gen.[ossen] zur Klahrheit gegen ihre Regierung auffordern.

   Branting: In diesen Tagen wird eine Note von Amerika erwartet.

   Troelstra: Wir haben Vertrauen in die Entwickl.[ung] d.[der] Verhältnisse. Nichts eingetroffen was dies[em] Vertr.[auen] widerspr.[icht] Wir müssen Vertr.[auen] zu einander haben, dass keiner von uns ein Knecht einer Partei ist. Frei in unserem Geiste. Neben und mit einander im Kampfe für die Int.[ernationale]. Sind wir in der Hauptsache einig wird diese Einigkeit bestehen. Wir müssen ehe wir nach Petr.[ograd] gehen klar sein wie weit wir gehen wollen in der Zulassung d.[er] Parteien. In diesem Sinne meine ich dass es jetzt nicht Zeit ist über eine Brechung unserer Konf.[erenz] zu überlegen.

   Branting: In der Fortsetz.[ung] d.[er] Debatte ist es mir u.[nd] Möller notw.[endig] wegzugehen zw.[ischen] 1-3 Uhr.21

   Van Kol: Verstehe nicht Stauning warum er so pess.[imistisch] ist. Der Brief nicht glückl.[ich] Aber wir haben hier nur sehr sanfte Kritik den Deutsch.[en] gegenüber ausgeübt. Sie haben jedoch gedroht. Es ist doch die allg.[emeine] Konf.[erenz] eine soz.[ialistische] Konf.[erenz] u.[nd] man sagt dass Imp.[erialisten] da nichts zu tun haben. Aber dann muss ich fragen: woher kommen solche Imperialisten? Es gibt solche nicht in den Parteien. Der Brief hat desh.[alb] keinen Zweck mehr. Wir müssen einen guten Frieden haben wenn auch der Krieg fortfahren muss. Aber eine Brechung unserer Arb.[eit] jetzt wäre die Bankerotte [der Bankrott] d.[er] Internat.[ionale]. Gute Hoffn.[ung] dass die Int.[ernationale] stärker sein wird.

   Möller: Die Ent.[ente] Repr.[äsentanten] fürchten dass die Sthmkonf [Stockholmkonferenz] etw.[as] gegen die Entente leisten wird. Dies ist nur ein Anlass fortzufahren. Finde es natürl.[ich] dass England, das nicht einen Frieden ohne Annex.[ionen] u.[nd] Entsch.[ädigungen] will, gegen die Konf.[erenz] ist. Der Besch.[luß] d.[es] franz.[ösischen] Nat.[ional]-rats bedeutet nicht, dass die Deutschen ausgeschaltet werden müssen. Man sucht die russ.[ische] Init.[iative] gegen uns auszuspielen, denn sie wollen dass die deutsche Majorität in ganz anderer Weise mit ihrer Reg.[ierung] brechen muss als andere Parteien. Wir müssen dies vermeiden. Das beste nach Petr.[ograd] zu gehen. Gewisse bestimmte Rücksichten auf die Russen müssen genommen werden. Die Arbeit muss nur schneller gehen.

   Stauning Die Reakt.[ion] gegen uns zu erwarten. Aber unruhig dass diese Reaktion von unseren Genossen in Frankr.[eich] u.[nd] Engl.[and] kommt. - Bespr.[echung] mit Waltz: seine Ausspr.[üche] nicht nur privat. - Die franz.[ösischen] Gen.ossen] wollen nicht kommen.

   Stauning: Steht in den Zeitungen.

   Branting: Sie werden sich nur überlegen inwieweit sie das Verbot von Ribot beachten müssen.22

   Stauning: Wir können ein paar Tage fortfahren, nicht mehr.23

   Huysmans: Dieser Brief nur eine Antwort, was Stauning übersieht. Die Resolution in Frankreich stellt nicht diese Bedingungen. Der Brief will Zweideutigkeiten vermeiden. Die Franz.[osen] sagen den Deutschen: sie haben nichts gegen den Imperialismus getan. Die Deutschen sagen dasselbe. - Die Frage Elsass-Lothr.[ingen] ist keine Frage imp.[erialistischer] Nat.[ur] für mich. Die imp.[erialistische] Tendenz besteht unter den Franz[osen] auf 10 Parlamentar.[ier] beschränkt. Dagegen nicht überzeugt davon dass die deutsche Reg.[ierung] sich nicht an imp.[erialistischen] Zielen festgelegt [hat]. - Die russ.[ische] Initiative wird eine Folge haben. - Die franz. [Genossen] befürchten nur die geänderten Bedingungen d.[es] Soviet. - Die franz. [Franzosen] war[en] einverst.[anden] mit einer allgem.[einen] Konf.[erenz] wo die Schuldfrage behand.[elt] werden müsse. Damit Soviet zuerst einverst.[anden] Dann hat Soviet einen neuen Besch.[luß] gefasst. Ganz natürlich dass die franz.[ösischen] Gen.[ossen] darüber erregt waren. Die müssen also die neuen Bedingungen prüfen. Nichts anders liegt vor.

   Beschl.[uß]: 1) Telegr.[amm] an Haase24

   2) Ukrainer in Empfang nehmen25

   3) Telegr.[amm] an den Soviet [Haben keine Antw.[ort] auf unser Telegr.[amm] 1 Juni und müssen baldige Antwort haben]26


Anmerkungen

1   Siehe auch hschr. Notizen (franz., 2 S.) von Huysmans, in CHA, Stockholm, N. & C., Juni 1917:1. Weiter Dok. Nr. P/31b und Bericht Troelstras auf der Vorkonferenz mit der MSPD am 12.6.1917, Dok. Nr. P/33b.

2   Entwurf in den oben in Anm. 1 nachgewiesenen Notizen von Huysmans: "Haben keine Antwort auf Telegram 1 Juni erhalten. Bitte baldige Antwort".

3   Siehe Vorkonferenz am 18.6., Dok. Nr. P/38. In den oben in Anm. 1 nachgewiesenen Notizen von Huysmans: "II extrait lettre Henderson". Es handelt sich wohl um den Brief von Henderson an Branting, der am 28.5.1917 von der englischen Gesandtschaft in Stockholm übermittelt wurde. Dort wird eine englische Delegation nach Petrograd via Stockholm unter der Führung von George H. Roberts und Ramsay MacDonald angekündigt. In CHA, Stockholm, Corr., Mai 1917, Nr. 146; Kommuniqué, 30.5.1917, CHA, Stockholm, N. & C., Juni 1917:1; schwed. Social-Demokraten 31.5.1917, S. 1. - Ein entsprechender Beschluß wurde vom EC der Labour Party am 1.6.1917 gefaßt und am 7.6. bestätigt. Die Delegation bestand schließlich aus Roberts und W. Carter sowie für die Minderheit MacDonald und Fred Jowett. Ihre Abreise wurde aber boykottiert; siehe Dok. Nr. P/23, Anm. 3, auch Dok. Nr. P/39, Anm. 3.

4   Reaktionen auf die russische Konferenzinitiative in Dok. Nr P/07, Anm. 4, und Nr. P/26. Weiter Dok. Nr. P/33b, Nr. P/35 und Nr. P/42. In Troelstras Bericht in Dok. Nr. P/33b, heißt es: "Wir können unter seiner [des Arbeiter- und Soldatenrats] Firma handeln, wenn wir die Ausführung in der Hand behalten können".

5   Ein Gespräch des Holländisch-skandinavischen Komitees mit Ernest Lafont fand am 10.6.1917 statt; daran nahm auch Victor Adler teil. Ein Protokoll existiert nicht, aber vielleicht ein dort vorgebrachter Diskussionsbeitrag von Stauning, Dok. Nr. P/31c, Anm. 1. Kurze Hinweise im Telegramm Albert Thomas an Mario Roques, 10.6.1917, in AN, Fonds Thomas, 94, AP 250; Troelstra in Vorkonferenz mit der MSPD am 11.6.1917, Dok. Nr. P/32a, zur Frage von Elsaß-Lothringen. Nach Ebert in der Sitzung der MSPD-Delegation am 11.6.1917, Dok. Nr. P/32c, sei Lafont "sehr zugeknöpft" gewesen. Nach Scheidemann in MSPD-Parteiausschuß 26.6.1917, Protokoll S. 11, und Scheidemann 1921, S. 141-143 (vor allem nach Bericht von V. Adler) habe Lafont zunächst "fürchterlich über uns geschimpft", sei dann zu einem Gespräch mit Scheidemann bereit gewesen, schließlich aber kurzfristig abgereist. Kurz allgemein zum Besuch Lafonts in Stockholm auch Stauning in dän. Social-Demokraten 11.6.1917, S. 3.

6   Als Datum für die Konferenz hatte man die Zeit zwischen dem 28.6. und 8.7.1917 vorgeschlagen.

7   Die Zimmerwalder hatten am 10.6.1917 zu ihrer Konferenz drei Tage vor der vom Arbeiter- und Soldatenrat einberufenen Konferenz (angenommenes voraussichtliches Datum 5.7.) eingeladen.

8   Die nächste Vorkonferenz mit der MSPD fand am Nachmittag des 11.6.1917 statt, siehe Dok. Nr. P/32a-b; zu den vorherigen Sitzungen siehe Dok. Nr. P/27-30. - Der tschechische Delegierte Antonin Nemec traf zusammen mit Gustav Habermann am 18.6. in Stockholm ein; die Vorkonferenzen mit der tschechischen Delegation fanden am 26.-27.6. statt, siehe Dok. Nr. P/45. - Die Vorkonferenz mit dem ukrainischen Vertreter fand am 14.6. statt, siehe Dok. Nr. P/36.

9   Zum Plan, nach Petrograd zu reisen, siehe Dok. Nr. P/33a-b, Nr. P/34a-b und Nr. P/35 sowie Dok. Nr. P/06a (mit Anm. 11).

10   Siehe Dok. Nr. P/31b und Nr. P/31c.

11   Eckige Klammern in der Vorlage. Der Brief liegt dem Protokoll nicht bei. - Ernest Lafont (siehe auch Nachweis oben Anm. 5 ) hat offensichtlich eine Kopie des Briefs für das Komitee aus Petrograd mitgebracht, siehe Stauning in Dok. Nr. P/31b.

12   Siehe auch Dok. Nr. P/31b und Nr. P/31c, mit schärferen Formulierungen. Auch Dok. Nr. P/31d.

13   Gespräch mit Waltz am 8.6.1917, siehe Nachweis in Dok. Nr. P/31b, Anm. 3.

14   Resolution der Konferenz der sozialistischen Parteien der neutralen Länder im Haag, 31.7.-2.8.1916, abgedruckt in Bulletin du Bureau Socialiste International, Nr. 1, 1917, S 2f., und danach in Histoire de la IIe Internationale 1980 (Minkoff-Reprint), Bd. 22, S. 220f. Zur Konferenz siehe Graß 1975, S. 225-242, und Blänsdorf 1979, S. 307-329.

15   Diese Formulierung auch bei Höglund 1929, S, 179, nach Mitteilung von Engberg.

16   Siehe auch Staunings Interview nach seiner Rückkehr aus Stockholm in dän. Social-Demokraten 13.6.1917, S. 5, und wiedergegeben in Vorwärts 14.6.1917. Staunings Pessimismus, der zusätzlich in den politischen Angriffen in Dänemark wegen seiner Beteiligung an der Vorbereitung der Stockholmer Konferenz begründet war, hebt auch Jørgensen 1964, S. 145 und S. 148, hervor; Stauning habe sich danach praktisch von der Stockholmer Arbeit zurückgezogen.

17   Vgl. auch Scheidemanns Gespräch mit Victor Adler am 12.6.1917, Scheidemann 1921, S. 142f. Siehe weiter Dok. Nr. P/33a mit Anm. 62.

18   In der französichen Deputiertenkammer erklärte Ministerpräsident Ribot am 1.6.1917, u.a. daß eine Partei nicht das Recht habe, auf internationaler Ebene zu bestimmen und über Frieden zu verhandeln. Es sollten keine Verwirrung stiftende Friedensgerüchte aufkommen. Der Friede könne nur aus dem Sieg der Entente hervorgehen. Die Reise der französichen Sozialisten nach Stockholm werde nicht genehmigt. Nach Stillig 1977, S. 179f. Rede zusammengefaßt in schwed. Social-Demokraten 4.6.1917, S. 3. - Nach der Tagebucheintragung von Gustav Mayer, 5.6.1917, teilte Troelstra in einem Gespräch mit, Ribots Ansicht "empöre ihn u.[nd] Br.[anting] sei der Ansicht, dass hieraus ein Bruch der franz.[ösischen] SD. [Sozialdemokraten] mit ihrer Regierung erfolgen könne", IISG, NL Mayer, 40, S. 29f. Nach Troelstra in "Brieven uit Stockholm"[Briefe aus Stockholm], III (dat. Stockholm 14.6.), in Het Volk 21.6.1917, S. 6, sei Ribots Stellungnahme zur Stockholmer Konferenz eine zynische Leugnung des sozialistischem Internationalismus. In einem Leitartikel in schwed. Social-Demokraten 4.6.1917, S. 4, beurteilte Branting die Rede positiver und zuversichtlicher. Man solle sich durch die Nachrichten aus Frankreich und England nicht allzusehr beunruhigen lassen. Ribot habe nur die Kontaktaufnahme mit Sozialdemokraten der Mittelmächte und damit die Teilnahme an einer allgemeinen Konferenz verboten, jedoch, auch wenn das nicht ausdrücklich gesagt wird, wohl kaum Kontakt mit den neutralen Sozialdemokraten und Teilnahme an Separatkonferenzen. Ribot habe mit seinem Appell eines "französichen Friedens" nur das nationale Selbstbestimmunsgrecht hervorgehoben, was sich von dem, was die Mehrheit in der Internationale anstrebt, nur wenig unterscheide.

19   Gemeint sind die Proteste gegen die oben in Anm. 3 genannte Delegation nach Petrograd via Stockholm, deren Abreise schließlich durch die Boykottaktion der britischen Seeleute verhindert wurde.

20   Troelstra nahm in "Brieven uit Stockholm" [Briefe aus Stockholm], IV (dat. Stockholm 24.6.), in Het Volk 29.6.1917, S. 1, auch zum Brief von Thomas, Henderson und Vandervelde, aus dem er auch zitiert, Stellung. Er hob hervor, daß dort praktisch verlangt werde, die Internationale zu einem neuen Bundesgenossen der Entente im Kampf gegen den deutschen Militarismus zu verwandeln. Eine Parteinahme habe das Komitee grundsätzlich abgelehnt, auch die russischen Sozialdemokraten lehnten jenen Standpunkt "glücklicherweise" ("gelukkig") ab.

21   Sicher wegen Arbeit im Reichstag.

22   Siehe oben Anm. 18.  

23   In der Komiteesitzung am 9.6.1917 hat Stauning vorgeschlagen, ein Telegramm nach Frankreich und England zu schicken, um "klaren Bescheid" zu bekommen; nach den Antworten könne man weitersehen; siehe Dok. Nr. P/31b. In der in Dok. Nr. P/31c, wiedergegebenen Mitteilung wird angegeben, daß das Telegramm "am Samstag", d.h. am 9.6., abgeschickt worden sei.

24   Als Antwort auf Haases Mitteilung vom 8.6.1917, daß die USPD wegen der Verschiebung der allgemeinen Konferenz ihre Reise verschoben hat. Text des Telegramms in den oben in Anm. 1 nachgewiesenen Notizen von Huysmans. Dort wurde u.a. das Erscheinen einer Delegation als "dringend notwendig für Fortsetzen Separatkonferenzen" bezeichnet.

25   Siehe Nachweis oben in Anm. 8. - Nach den oben in Anm. 1 nachgewiesenen Notizen von Huysmans auch ein Telegramm nach Polen und an Rosa Luxemburg wegen der deutschen Minderheit genannt - "IV Pologne / tél[egramme] à Pologne à Rosa Lux[emburg] (minorité all[emande])." Diese Telegramme nicht nachweisbar. - Zur erwarteten Beteiligung von Rosa Luxemburg siehe An die Redaktion von Het Volk "De internationale conferentie van Stockholm" [Die internationale Konferenz von Stockholm], 26.4. 1917, CHA, Stockholm, N. & C., April 1917, ohne Nr.; Stauning an Ebert, 19.5., ABA, SDF, 531; Franz Mehring an Holländisch-skandinavisches Komitee, 17.6., und L. Bratman an das Komitee, 17.6., in CAH, Stockholm, Corr., Juni 1917, Nr. 19b und 19c. Am 17.6. 1917 wählte die Generalversammlung des Wahlvereins für den Kreis Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg (Mitglied der USPD) Rosa Luxemburg mit 61 Stimmen (vor Franz Mehring, 57, und Käte Duncker, 51), als Vertreterin auf der internationalen sozialistischen Konferenz in Stockholm; siehe Mitteilungs-Blatt [USPD] Nr. 13, 24.6.1917, S. 6-7; Luxemburg 1984, 5, S. 265f., Anm. 229. Daraufhin schrieb Rosa Luxemburg aus dem Gefängnis in Wronke an Mathilde Jacob, 26.6.: "Ich habe wohl gelesen, daß ich nach Stockholm delegiert bin, aber was hab' ich davon? Oder soll ich einen Urlaub beantragen?; Luxemburg 1984, 5, S. 265. Käte Duncker bezeichnete diese Wahl, vor allem die von Rosa Luxemburg, als "Demonstration", weil man wohl sowieso keine Pässe bewilligt bekomme. Man wolle sich auf diese Weise auch von "Haase, Bernstein usw." distanzieren (Briefe an Hermann Duncker 5.6. und 20.6.1917). Käte Duncker bekam allerdings einen Paß, "weil der Regierung ja an dem Frieden liegt" (Briefe 20.6., 28.6., 5.7.). Sie mußte unterschreiben, nichts über die "Zustände" in Deutschland (Lebensmittelversorgung, Preise usw.) und über militärische Dinge zu erzählen (5.7.). Käte Duncker wollte nach Stockholm: "Wenn ich auch den unmittelbaren Erfolg sehr gering einschätze, so erhoffe ich doch viel von der Aussprache für später" (19.6.). Zuvor hatte sie die Stockholmer Konferenz als "Strohhalm, ein bißchen Hoffnung, um das "Durchhalten" zu erleichtern"(5.5.), bezeichnet. Hermann Duncker stimmte zu: Stockholm sei "ein Brennpunkt des Fühlens und Denkens von Millionen - wie noch nie ein internationaler Kongreß" (23.5.). Nach Stockholm wollte sie allerdings vor allem wegen der 3. Zimmerwalder Konferenz, an der sie auch teilnahm (2.9., 3.9., 4.9. 22.9.). Sie kam zurück und schrieb: Was ich aus St[ockholm] mitgebracht habe, ist eine Hoffnung, aber kein Glaube" (24.9.). Für Auszüge aus Briefen von Käte und Hermann Duncker zur Stockholmer Konferenz 1917 danke ich Hernn Prof. Dr. Heinz Deutschland, der zusammen mit Ruth Deutschland eine Edition der Briefe vorbereitet. (Der Nachlaß befindet sich in SAPMO, BA, NY 4445). - Zu eventuellen Beteiligung von Rosa Luxemburg siehe Huysmans an Marie Bratman, 3.7.und 13.7. 1917; an Hermann Müller, 4.7., an Troelstra, 13.7.; Troelstra an Huysmans 19.7., sämtliche in CHA, Stockholm, Corr., Juli 1917, Nr. 6, 10, 40, 41 und 67. Schwed. Social-Demokraten 4.7.1917, S. 1. Anfrage von Otto Rühle im Deutschen Reichstag zur Ermöglichung einer Teilnahme von Rosa Luxemburg, 9.7. 1917, genannt in Luxemburg 1984, S. 266, Anm. 229. Nach letzterem Kommentar sind die Anfrage und negative Antwort am 11.10. im Reichstagsprotokoll nicht enthalten. Siehe auch den Brief von Leo Jogiches an Rosa Luxemburg in Jacob1988, S. 478-480. Dazu auch den Beitrag von Tych, Die Stockholmer Konferenz 1917 und die polnische Frage, auf einer Konferenz in Stockholm, 2.-3.12.1987, S. 2-4, und Geldolf 1996, S. 234-238. - Zur Vorkonferenz mit der polnischen Delegation aus Galizien, siehe Dok. Nr. P/58.

26   Eckige Klammern in der Vorlage. - Eine Antwort erfolgte durch ein Telegramm vom 12.6.1917, in dem die baldige Ankunft der russischen Delegation angekündigt wurde, schwed. Social-Demokraten 15.6.1917, S. 1.