Sitzung des Holländisch-skandinavischen Komitees mit der Delegation der MSPD, 11. Juni 1917

Document nr: 
P/32a
CHA, Stockholm, N. & C., Juni 1917:2. Mschr., 12. S.1

M A J O R I T É  A L L E M A N D E

le 11 juin 1917./ 3.30 heures /

   Anwesend: Troelstra, Albarda, van Kol, Staunung [Stauning], Nina Bang, Vidness [Vidnes], Ebert, Bauer, Sassenbach, Legien, Scheidemann, Müller, David, Fischer, Molkenbuhr.2

  

   Vorsitzender: T r o e l s t r a. Er eröffnet die Sitzung.

   I. Friedensbedingungen.3

   E b e r t: Memorandum ausgearbeitet. Absicht so zu verfahren: der Redner zum ersten Teil liest vor, was wir dazu gelesen haben, dann Erklärungen und ebenso mit den anderen.

   D a v i d: Liest die Beantwortung auf I vor. / siehe Beilage /.4

   A n n e x i o n e n: Gegner gewaltsamer Gebietsaneignungen. - Rückgabe entrissener Kolonien.

   K r i e g s e n t s c h ä d i g u n g: Aufzwingung von Kriegsentschädigung ist zu verwerfen. - Oekonomische Versklavung eines Volkes durch andere verwerflich.

   W i e d e r h e r s t e l l u n g: Beantworten die Frage mit j a. Aber lehnen eine einseitige Wiederherstellung zerstörter Gebiete ab. Zerstörung des Privateigentums der geringste Teil des Schadens.

   S e l b s t b e s t i m m u n g s r e c h t: S.-Recht der Völker auf Aufrechterhaltung oder Aufrichtung der nationalen Unabhängigkeit. 1/ Zuerst Belgien, Serbien. Belgien soll unbedingt wiederhergestellt werden ohne Vasall eines anderen zu werden. Betr. der Balkanstaaten Zustimmung zur Oesterreichischen Deklaration.5

   2/ Kongresspolen, Fin[n]land.6

   3/ Irland, Ägypten, Tripoli, Marokko, Indien, Korea.

   A u t o n o m i e: Kulturelle7 Autonomie von uns empfohlen. Verurteilung jeder Beeinträchtigung der Muttersprache.

   E l s a s s-L o t h r i n g e n: War nie ein selbständiges Staatswesen. Ethnographisch 9/10 - deutsch. Kein historisches Recht für Frankreich auf diese Gebiete. - Die deutschen Sozialisten fordern volle Staatsberechtigung, Freiheit im Aufbau seines inneren Staatswesens. Vor dem Krieg haben sich die französischen Sozialisten damit einverstanden erklärt.8

   B r a n t i n g:Hörte den Anfang nicht. Frage: ist es die Absicht der deutschen Delegation hier klipp und klar zu sagen, dass der Wunsch der Bevölkerung nicht berücksichtigt werden wird.

   D a v i d: Die Elsass-Lothringische Volksvertretung ist wie sie durch unsere Mitwirkung zustandekam, ist voll demokratisch. Es ist vollkommen gleiches, allgemeines, direktes und geheimes Stimmrecht. Mit diesem Wahlrecht ist der Landtag zusammengesetzt. Die nationale Strömung schloss sich zusammen zu einem nationalen Block. Der Wahlkampf führte zur Niederlage dieses nationalen Blocks. Der Ausdruck der Gesamtbevölkerung ist damit gegeben. Gewaltige Mehrheit für das Verbleiben Elsass-Lothringens im Deutschen Reich. Die Elsass-Lothringische Frage eine innerdeutsche und so zu lösen wie ich Ihnen unterbreitet habe. Darlegungen von zwei Zeugen / Belege von Georg Weil[l] "Neue Zeit 1901 und Grumbach/.9 Der erste Zeuge betr. die Frage [Begegnung]10 der Bevölkerung als eine akademische Frage. - Niemals von uns zugegeben, dass diese Frage eine internationale sein kann. Die Resolution von Jena 1913.11 Weiter in BERNER KONFERENZ12 besprochen. Grumbach begründet auf dem Jena Parteitag jene Resolution. Machte Front gegen die Deutschenhetze in Frankreich, polemisierte gegen Clemenceau und sagte, dass wenn die Konferenz in Bern praktische Arbeit leisten soll, so muss es als ein inneres deutsches Problem behandelt werden. Wir Elsassisch Sozialist.[en] bekämpfen u.s.w. / Jenaer Rede Beleg/.

   B r a n t i n g: Diese Tatsache ist mir nicht unbekannt.13 Besonders nicht unbekannt, dass Grumbach die Frage als ein[en] Zankapfel von der Tagesordnung wegwünschte. Er wie die Els.[aß]-Lothr.[inger] auf dem Standpunkte dachte sich eine Weiterentwicklung im Rahmen des deutschen Reiches. Aber die Voraussetzung war, dass kein Krieg da war. Nun liegt die Sache anders. Die Internationale protestierte ihrerzeit gegen die Annexion.14 Da einmal der Krieg da ist, so ist die Frage des Unrechtes vor 50 Jahren nicht zu erledigen mit stenographischen15 Gründen.

   Diese Auffassung, die zu Jena und Bern herrschte, ist durch den Krieg verscho[ben]. Bekannt, dass Grumbach die Gründe seiner neuen16 Auffassung dargelegt hat. Der Krieg ist dazwischen gekommen. Ich weiss nicht, wie weit die Wahlen die Stimmung im Reichsland abspiegeln. Wir müssen wenn die Fragen wieder aufgerollt sind uns fragen: Was wollen die Leute selbst, wenn sie sich frei äussern können. Viele Verfolgungen und Strafen während des Krieges, was bezeugt, dass die Stimmung nichts weniger als einheitlich ist.

   Wenn Sie deutsche Genossen, so sicher sind, dass die Interessen der Bevölkerung sich nach Deutschland drängen, so ist es mir klar, dass Sie nichts dagegen haben können, dass dies durch eine Volksabstimmung bestätigt wird. Das Problem steht durch den Krieg auf der Tagesordnung. Ohne den Krieg hätte es sich anders entwickelt. Die deutschen Genossen tun klug, wenn sie das beachten.

   T r o e l s t r a: Sowie Genosse David uns die Frage klargelegt hat, so muss zugegeben werden, dass der Standpunkt der deutschen Sozialisten stark ist, weil ein gleichlautender Beschluss von sowohl deutschen als französischen Genossen gefasst ist, stark auch weil dieser Beschluss während des Krieges aufrechterhalten wird. Aber die Frage für die Arbeiter-Bewegung von grosser Bedeutung. Es steht fest, dass die Frage im Vordergrund steht, wenn die Möglichkeit des Friedensschliessens behandelt wird. Bedauere, dass die französischen Sozialisten sich festgelegt auf diese Frage. Man kann die Stellung der deutschen Sozialisten billigen und diejenige der französischen Genossen bedauern, und bedauern, dass die Vereinbarung der Parteien vor dem Kriege nicht aufrecht erhalten wird. Aber es ist auch eine Frage den Krieg nicht wegen dieser Frage verlängern. Ich sage nicht, dass wir hier sind um Frieden zu schaffen zwischen den Regierungen, aber zwischen den Parteien. Wenn die deutsche Regierung nicht von einer Änderung der Elsass-Lothringischen Frage wissen will, versteht sich. Aber die sozialistischen Parteien eines Landes nicht verpflichtet sich dadurch abhalten zu lassen, einen Schritt zu machen um mit den Parteien des anderen Landes übereins zu werden. Also: Meinen Sie, dass die Elsass-Lothringische Frage derartig ist, dass wegen dieser Frage eine Vereinbarung unmöglich gemacht wird. Die Frage ist im Vordergrund. Auf dem Boden der Selbstbestimmung der Nationen stehend, so muss ich sagen, dass es gut ist, wenn es hier zu einer Vereinbarung kommen kann. Davids Ausführung nichts mit dem Selbstbestimmunsgrecht zu tun. David hat sich auf Resolutionen und Wahlen berufen. Aber ist nicht dieses zu formal. War es nicht so, dass die letzten Wahlen ao ausgefallen, weil die Bevölkerung diese Frage jetzt nicht in den Vordergrund schieben will, weil man wichtigere Sachen zu tun hat. David wird nicht behaupten, dass eine Volksabstimmung über das Selbstbestimmungsrecht Elsass-Lothringen jetzt denselben Ausschlag geben würde. Diese Frage muss ich nun17 die deutschen Delegierten stellen. Bin nicht blind für die Schwierigkeiten einer Volksabstimmung.18 Genosse Wendel hat im "Vorwärts" hierüber einen interessanten, aber zu kasuistischen Artikel geschrieben.19 Ich glaube, dass wenn die deutschen Sozialisten um eine Verständigung mit den französischen Genossen zu gewinnen, sich für eine Volksabstimmung aussprechen, so würde das viel Gift wegnehmen und grosse Verständigung zwischen den Parteien herbeiführen. In den neutralen Ländern ist die sozialistischen Auffassung ganz gewiss die, dass eine derartige Erklärung der deutschen Sozialisten als eine befreiende Tat begrüsst werden würde. - Die grösste Hemmnis ist hier, dass man hier nicht in Frankreich frei als Sozialist der Frage gegenüber steht. Aber die deutsche Sozialdemokratie fühlt auch eine gewisse Gebundenheit aus Rücksicht darauf, dass eine freie Aussprache hier einen Sturm erwecken würde.20 Deshalb habe ich Ihnen dies unterbreitet, um darauf hinzuweisen, wie wünschenswert es wäre, dass Sie den Wünschen der französischen Genossen entgegenkommen und eine Thür öffnen, wodurch ein weiterer Schritt gemacht werden könnte zur Verständigung.

   V a n K o l: Die deutschen Genossen haben gesagt, dass sie letzten Mann und letzten Pfennig hingeben werden. Die Franzosen dasselbe. In meiner Broschüre persönlich meine Meinung geäussert.21 Referendum beschwerlich. Schiedsgericht von Neutralen möglich. Ist es nicht möglich, dass man einen Teil an Frankreich zurückgeben könnte.

   Wird es nicht möglich Elsass-Lothringen zu Buffer [Puffer]-Staat zu machen. Diese Fragen möchte ich stellen. Aber die Frage keine sozialistische Frage, sondern eine nationale und kapitalistische Frage. Beide Teile, sowohl die Deutschen, als die Franzosen, könnten hier nachgeben. Eine endgültige Frage notwendig.

   M o l k e n b u h r: Möglichst bald einen Frieden. Aber Land herausgeben, was der Feind nicht besetzt, das geht nicht. Kehren Sie die Lage im 1870-71 um. Was würden die Franzosen dann gesagt haben. Wir wollten nicht, dass Frankreich Elsass-Lothringen zurückerobert durch Krieg. Soll nicht Friede geschlossen werden ehe Elsass-Lothringen ausgegeben wird, dann wird der Krieg verlängert. Aber selbst dann wenn eine Volksabstimmung zustandekommt, so muss man bedauern, dass Elsass-Lothringen 40 Jahre mit Deutschland sich entwickelt hat. Selbstverständlich würde ein Abschneiden von einem Glied hier eine Unmöglichkeit für dieses Glied allein zu leben. Die Basis seiner wirtschaftlichen Existenz ist Deutschland. Wir sagen nicht, wir geben eventuell Elsass-Lothringen aus.22

   S c h e i d e m a n n: Alle Genossen betonen, dass ihnen die Tatsachen gut bekannt sind. Will nicht dieses bezweifeln. Aber wie wenig sie diese Tatsachen würdigen. Wie kann man solche Forderungen erfüllen wie hier gestellt wird. 1871 protestierten unsere Genossen, weil die Bevölkerung sich an Frankreich gewöhnt hatte und es würde Revanchekriege abgeben. Beruft man sich auf unsere Stellung 1870, da muss man sich selbst auf denselben Standpunkt stellen. Man muss also protestieren von diesem Standpunkte aus, dass ein neuer Revanchekrieg entsteht. Kein Land würde es ertragen. Deutschland besonders nicht, weil Elsass-Lothringen deutsches Land ist. 88,6 [%] sprechen deutsche Sprache. Die Abstimmung sollte vielleicht ein anderes Bild geben, meint Troelstra, als  Wahlen. Glauben Sie, dass ein Land das 9/10 deutsch spricht einem französischen Land und das wirtschaftlich zu Deutschland gehört, sich nach Frankreich zurückschlagen will. Nein. Weiter: die Leute müssen also abstimmen um an ein ander[es] Land zu kommen, wo sie es schlechter bekommen und dessen Sprache nicht die ihrige ist. - Schwierigkeiten technischer Art der Abstimmung. - Selbstbestimmungsrecht der Nationen gut. Aber wird es auch ein Teil derselben23 Bevölkerung gelten. Ich könnte es verstehen mit Irland. Aber Elsass-Lothringen ist deutsches Land, ein Teil der deutschen Nation. Dann müsste sich die ganze deutsche Nation aussprechen. Aber auch dass Elsass-Lothringen eine Nationalität ist muss ausser Betracht bleiben. Der Vorschlag eines Schiedsgerichtes kann nicht diskutiert werden. Troelstra warf die Frage auf, wie sich die Dinge zugespitzt haben und ob eine Aenderung möglich ist. Aber wenn die Franzosen ihre Stellung in den verschiedenen Fragen wie bisher einnehmen, dann, fürchte ich, fast dass eine Verständigung nicht möglich ist. Genosse Troelstra konsidiert [konzediert] uns allerlei. Er bedauert die Haltung der Franzosen, aber bedauert auch unsere. Dazu antworte ich, dass wir vom Anfang an gegen alle nationale Strömungen gekämpft haben. Unsere Parteiprinzipien verpflichten objektiv zu sein. Unsere hochentwickelte Elsass-Lothringische Bevölkerung gegen Neger auszutauschen wollen wir nicht. Ein Wort über die Stimmung in unserem Lande, so ist die ganze Bevölkerung der Auffassung, dass Deutschland der Krieg aufgzwungen ist. Weiter hat Deutschland grosse Gebiete besetzt. Aber es soll nicht nur das was es erobert hat zurückgeben, sondern auch das was sie schon vorher hatten. Ledebour hat sich gegen die Zumutung gewahrt darüber zu debattieren.24 Wenn der Krieg weiter geführt wird wegen dieser Frage, dann fällt die Verantwortung auf die Franzosen. Aber Grenzberichtigungen wollen wir gerne.25 Dass wir zum letzten Mann und Pfennige kämpfen würden - so etwas haben wir nie gesagt. Auch der anderen Seite muss hier zugeredet werden, damit sie einsehe dass dies eine kaum gerechte Forderung ist.

   B r a n t i n g: Tut mir leid, dass Genosse Scheidemann gemäss den Erklärungen Davids es unmöglich findet hier weiter zu gehn. Was will die Bevölkerung. Nun sagen Sie, dass es, weil es ein deutsches Land ist, bei Deutschland bleiben will. Aber Sie wissen, dass trotzdem dass dieselbe Sprache und seine Abstammung bewahrt, hängt es an Frankreich mit allen Fiebern [Fibern]. Die Proteste der deutschen Genossen 1871 hatten auch ihre Bedenken wegen der Stimmung der Bevölkerung selbst. Ich verstehe auch nicht, dass man hier so beweist, als ob man vor einer Elsass-Lothringischen Versammlung stände und ihr die Vorteile auf deutscher Seite zu beweisen. Aber das reicht nicht hin. "Zabern" ist genug zu nennen um daran zu erinnern, was ich meine. Muss auch erinnern, dass die gemeinsame Erinnerung an die grosse Revolution hier wichtig ist für die Zusammengehörigkeit mit Frankreich. Bebel sagte 1907 in Stuttgart als Antwort auf Rosa Luxemburg, dass Elsass sich in Jahrhunderten an der Entwicklung Frankreichs teilgenommen hat und von der grossen Revolution genossen.26 - Es handelt sich hier nicht um dies dass die Auffassung in Deutschland fest gegründet ist. Dies ist eine traurige Botschaft. Denn die Franzosen finden, dass 1871 ein Unrecht begangen ist. Sie haben gegen die Revanchegelüste gekämpft. Und Jaurès ist diesen Revanchegelüsten zum Opfer gefallen. Diese fürchterliche Tatsache, dass der Krieg da ist, hat bewirkt, dass der alte Standpunkt verschoben ist und die Frage ist von neuem aufgerollt. Wenn es eine solche Stimmung wäre wie z.B. in Jämtland, das eigentlich mit Norwegen verwandt und verbunden wäre, eine Stimmung also dafür, dass Jämtland an Norwegen käme, dann sollte ich mich als Sozialist verpflichtet fühlen dies zu berücksichtigen.27 Ich sage es offen, dass wenn eine solche Stimmung da entstände, so müssten wir die Stimmung verstehen. Jetzt liegen die Sachen in der Elsass-Lothringischen Frage so, dass eine starke Stimmung in Elsass-Lothringen ist. Abstimmung bereitet technische Schwierigkeiten. Aber möglich, dass z.B. die Schweiz hier die Rolle eines Besorgers der Abstimmung zu übernehmen hätte. Wir wollen nicht nur kritisch Ihrer Stellung gegenüber stehen, wir wollen auch versuchen Sie zu verstehen. Wir müssen natürlich auch den französischen Genossen sagen, dass wenn ein Revanchekrieg von deutscher Seite kommt, so ist es ihre Pflicht nachzugeben.28

   F i s c h e r: Die Abstimmung n i c h t gefordert von Elsass-Lothringen selbst, sondern vom Auslande. War es nicht grosses historisches Unrecht 1688.29 Dass Elsass-Lothringen mit allen Fiebern [Fibern] an Frankreich hängt, darüber haben die Franzosen anders beurteilt. Dass die wirtschaftliche Zusammengehörigkeit jetzt die entscheidende ist, muss man beachten. Elsass-Lothringen ruiniert, wenn es von Deutschland losgetrennt wird. Dieselben Gründe wie Elsass-Lothringen vor 1871 nach Frankreich neigte, binden nun seine Neigung an Deutschland. Die deutsche Sozialdemokratie hat dieselbe Stellung wie die Partei einmal: Marx, Engels, Liebknecht und Bebel, haben immer gewirkt30 für den Revanchekrieg. Wir haben die alte Stellung eingenommen. Die Franzosen dagegen haben ihre Auffassung geändert. Nehmen wir an, dass es doch so ist, dass es kein Krieg der deutschen Sozialisten ist. Kein Mensch in Deutschland kann sich auf diesen Standpunkt stellen. Wir können nicht die Kriegsfortführung ändern. Oder glauben Sie, dass wenn die Franzosen ihre Auffassung ändern deshalb von den herrschenden Klassen in Frankreich aufgegeben werde.

   S ta u n i n g: Eine Lösung muss kommen. Finde doch unmöglich, dass die deutschen Genossen ein Land herausgeben sollen, weil die Regierung des anderes Landes es wünscht. Etwas ganz anderes, wenn die Bevölkerung es selbst wünscht. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich eine Lösung von aussen vorzuschlagen. Für die deutschen Sozialisten muss es notwendig sein zu überlegen, ob es möglich sein könnte die grösstmöglichste Selbständigkeit zu geben.

   D a v i d: Die letzte Anregung verstehe ich, dass wir also der Elsass-Lothringischen Bevölkerung die volle kulturelle Autonomie einräumen wollen. Dies seine Beantwortung schon gefunden in unserer Erklärung über Autonomie im allgemeinen. Wir wollen sagen, dass wir die Bundes-Staatliche Gleichberechtigung festhalten für Elsass-Lothringen. Wir können hier natürlich eine andere Formulierung geben die noch besser ist. Breit und im weitesten Masse wollen wir hier Freiheit geben.

   Gegen Branting will ich Ergänzungen machen. Branting weist auf Grumbachs Broschüre hin. Es sei doch hier so gedacht worden, um einen Krieg zu vermeiden, habe er sich gebeugt. So liegt die Sache nicht. Es gab in dieser [Frage]31 vor dem Krieg keinen Meinungsunterschied in der Elsass-Lothringischen Partei.32 Bebel, der citiert wurde, / "Wir Sozialisten wollen keinen Fusstritt33 deutschen Bodens aufgeben"/, er tat in den letzten Jahren eine Äusserung, dass wir alle überzeugt sind, dass die deutsche innere Entwicklung im Zeichen der Revancheidee gehen würde, wenn Elsass-Lothringen von Frankreich genommen werde. Dies ist tasächlich und deshalb müssen die französischen Genossen dies beachten. Weiter: wer hat sich denn gebrochen. Die Franzosen sagen: die Deutschen haben den Krieg angezettelt und deshalb ist die Vereinbar[ung]34 zunichtegegangen.35 Aber wir haben den Krieg nicht angezettelt. Wir sahen die Elsass-Lothringische Frage eine nationalistische Rolle spielen je länger die Einkreisungspolitik des Delcassé fortgegangen ist. Diese Einkreisungspolitik hat den Krieg gebracht, und das Ziel war hier die Eroberung Elsass-Lothringens. Nun muss man sagen: man hat alle Rassen zusammengeworfen um uns niederzuschlagen, aber ist es gelungen. Nein. - Es liegt hier die Frage der Schuld am Krieg mit in. Der russische Botschafter Benckendorff berichtet aus 1913, dass die Franzosen die einzigen waren damals, die den Krieg wollten. Und man glaubt in Deutschland, dass Poincaré und Delcassé die Hauptschuld tragen.

   Nun die Frage der Volksabstimmung - wenn wir sie anerkennen, so giebt dies prinzipiell Deutschland unrecht. Man macht einen Eingriff in die deutsche Suverenität [Souveränität] und verlangt, dass eine Frage, die international36 ist, international sein soll. Das z w e i t e ist, dass die Volksabstimmung in dem konkreten Falle vom Volke selbst nicht gewollt wird. Die Vertreter Elsass-Lothringens lehnen es einstimmig ab, diese Frage als eine internationale zu betrachten. Nur von militärischen Gegnern wird das gefordert. Die Vorfrage also schon wird abgelehnt.

   An der Frage: Wer stimmt ab, sind sich die französischen Genossen in [die] Haare geraten. Eine gewaltige Zufuhr aus den alten Reichsland von industrieller Bevölkerung, die man ausschalten will. Genosse van Kol hat in seiner Broschüre darauf hingewiesen, dass Elsass-Lothringen in 4 Teile aufgeteilt werden müsse, wenn Abstimmung stattfindet. Ein Eingriff in die Suverenität [Souveränität] des Staates, der nicht berechtigt ist, weder durch militärische Lage noch historisch, liegt hier vor. Wir haben die französischen Genossen gewarnt sich in diese Sache hineinzurennen. Es ist unmöglich und es würde den Krieg gar nicht abkürzen, wenn die deutschen Sozialisten so etwas forderten. Es ist also gar keine Lösung. Es führt nicht zur Abkürzung des Krieges. Man muss die französischen Genossen fragen, ob sie den Krieg fortsetzen wollen. Wer einsieht, dass dies ein Hindernis für die Abkürzung des Krieges ist, seine verdammte Pflicht ist es hier nachzugeben. Keine Annexion wollen wir, aber wir wollen auch keine Annexion gegen u n s. Eine deutsche Partei kann nicht mit freier Stirn hier so etwas zugeben. Die französischen Genossen mögen die Sache prüfen.37

   E b e r t: Van Kol meinte, dass wir gesagt haben, dass wir den Krieg zum letzten Manne und letztem Pfennig fortsetzen müssen. Dies nicht gesagt.38 Branting hat gemeint, dass wir jetzt eine andere Stellung einnehmen. Bebel hat schon in Stuttgart die Stellung klargelegt. Ich will verweisen auf die Erklärung der Partei 1891 im Reichstag, wo wir gesagt haben, dass wir das Bestehen hier anerkennen. Bebel fragte den Herrn Steiner zu zeigen, wo er jemals oder ein anderer Sozialist gesagt hat, dass wir Elsass-Lothringen an Frankreich zurückgeben wollen. Schwer von hier aus die Stimmung in Elsass-Lothringen zu beurteilen. Ich bin als Badenser Nachbar, war oft da im Parteitag und ich kann versichern, dass es nicht diese Stimmung giebt. Grumbach hat Gastrolle in der Elsass-Lothringischen Frage gespielt, aber nicht in der Elsass-Lothringischen Partei. Die Els.[aß]-Lothr.[ingische] Partei hegt gar nicht eine solche Auffassung. Das Strassburger Parteiblatt hat dagegen entschieden gekämpft. Auch während des Krieges hat die Partei dagegen gekämpft. Im Februar 1916 haben alle Bezirkstage protestiert gegen diese Forderung. Im Elsass-Lothringischen Landtag ebenso hat man protestiert. / Beleg vorgetragen/.

   Bemerke, dass der Ricklin vom Landtag gewählt war. Die Vorgänge in Elsass-Lothringen während des Krieges: alles liegt hier in Händen vom Militär, denn es ist ja Kriegsgebiet. Und was in Elsass-Lothringen vorkomme, könnte in jeder beliebigen Gegend von Deutschland vorgekommen sein.

   B r a n t i n g: Es wird natürlich bestritten, wenn französische Gesinnung dargelegt wird.

   E b e r t: Jeder Elsässischer Politiker hat die Möglichkeit offen und frei auszusprechen. Aber von diesen hat man nicht gefordert, dass Elsass-Lothringen zu Frankreich zurück soll.

   Ich war während des Krieges vielfach in Elsass-Lothringen. In Strassburg würden Sie finden: dass wir den Mann nicht verstehen, dass man hier eine Abstimmung fordern könnte. Strassburg durch und durch eine deutsche Stadt. Die französische Partei muss hier gewarnt werden. Marcel Sembat39 hat auch offen gewarnt vor allen Plänen in dieser Richtung. Das trotzdem, dass sich die französische Partei so festgelegt hat in dieser Frage. Alles was geschehen, kam von unserer Seite um Verständnis zu schaffen, aber wir können keinen Schritt weiter gehn. Ein dauernder Friede wäre damit nicht zu gewinnen sein.40

   M ü l l e r: Wir können z.B. eine genauere Formulierung über die Autonomie geben. Wir haben alles getan um alle Keime künftigen Krieges zu vertilgen. Wir haben uns gesagt, dass für uns gibt es eine Stimmung für einen dauernden Frieden zu schaffen. Alle Annexionen verwerfen wir. Acceptieren [akzeptieren] die Aussprüche des Soldaten-Arbeiterrats. Ein Teil von deutschem Land sollte hier losgerissen werden. Die Frage liegt für die Neutralen so, dass sie einen Ausweg zur Lösung finden müssen. Wenn die Franzosen zur Besinnung kommen, wie viel sie verloren haben um Elsass-Lothringen, dann werden sie dies bereuen. In Bezug auf die Zitate von Bebel ist genug gesagt. Aber in den letzten Jahrzehnten haben wir uns mit der Vorbeugung des Krieges beschäftigt, zuletzt in Basel.41 In engen Kreisen der französischen Partei hat man dabei an die Elsass-Lothringische Frage gedacht. In Basel damals sprach ich mit Bebel und er sagte, dass wir nicht eine Elsass-Lothringische Frage als eine Frage die in der Resolution über den Krieg [Lücke im Text, Verb fehlt] anerkennen können.42 Es ist nicht meine Auffassung die Meinung der Minderheit zu vertreten. Aber ihr Organ sagt offen, dass sie nicht einmal daran denken.43 Auf "Zabern" eine Antwort. Das provisorische Auftreten eines preussischen Leutnanten lag hier vor aber eben Zabern ist eben die deutscheste44 Stadt in Elsass und hat den konservativsten [Abgeordneten] schon in den 90 [1890er] Jahren in den Reichstag geschickt. Wir wissen, dass die Internationale nicht mehr unsere Lage erschweren kann, als wenn sie fordert, dass wir hier nachgeben. Sie müssen uns verstehen. Ich bedauere dass die französischen Genossen uns nicht verstehen wollen.

   S ö d e r b e r g: Verstehe, dass die deutschen Genossen nicht anders sagen als sie können.

   L e g i e n: Nein, w o l l e n.

   S ö d e r b e r g: Wir können nicht die Franzosen überzeugen, davon, dass die Deutschen Recht haben. Wäre es nicht möglich, so in Elsass-Lothringen zu tun dass eine Erörterung der Frage in Elsass-Lothringen selbst stattfinden könnte. Denke, dass wenn die französischen Genossen erfahren, dass [es] eine solche Stimmung in Elsass giebt, so werden vielleicht die Franzosen nachgeben.

   B a u e r: Kundgebungen der Bevölkerung während des Krieges, dass die Bevölkerung nicht zu Frankreich zurück will - solche sollten die französischen Genossen als gemacht betrachten. Ein Land, wo sich der Krieg zum Teil abspielt da kann man natürlich nicht solche von Söderberg besprochene Volksversammlungen haben. Die Volksvertreter sind frei. Man kann niemand zwingen eine Erklärung zu geben für Bleiben der Elsass-Lothringer in Deutschland. So ist doch geschehen. Nachdem die Frage erledigt, so kann doch nicht eine Partei nun diese Vereinbarung als ungültig betrachten. Die Franzosen sagen, dass sie nicht den Krieg aufgeben, ehe sie Elsass-Lothringen zurückerobert haben. Hat denn die Menschheit etwas gewonnen. Nein. - Noch ein Jahr des Krieges wird Millionen Menschen kosten. Der Krieg wird vielleicht noch ein Jahr dauern und Frankreich wird noch nicht Elsass-Lothringen haben und wird noch nicht den Frieden wollen. Ueber das Gerede, dass Frankreich und England für die Freiheit der Nationen kämpfen, haben die deutschen Arbeiter nur ein mitleidiges Lächeln.45 In Deutschland wird man die Arbeitsklassen damit nicht gewinnen. Vor allem muss hier vom Komité den französischen Genossen gesagt werden, dass sie Verstand nehmen.

   V i d n e s s [Vidnes]: Verstehe sehr gut, dass diese Sache ernster ist, als ich es gedacht habe. Ich verstehe auch, dass die Deutschen hier Elsass-Lothringen als ein Stück des Vaterlandes behandeln. Wir wissen auch, dass es unter den französischen Genossen eine andere Auffassung herrscht. Was Stauning gesagt hat, löst auch nicht die Frage. Es wäre unnütz hier weiter zu diskutieren. Es ist am besten die Auffassung der deutschen Genossen hier zum Ausdruck kommen zu lassen und es dabei bleiben zu lassen. Nach dem Kriege, aber nicht während des Krieges soll wohl am liebsten die Volksabstimmung stattfinden.

   T r o e l s t r a: Ich sagte gestern dem französischen Genossen Lafond [Lafont],46 dass es mir vorkäme, dass wir in diesem Problem eine einheitliche Lösung nicht finden können. E i n e Lösung ist doch, dass man auf beiden Seiten erklärt, dass der Krieg nicht wegen dieser Frage fortgesetzt werden darf. Man könnte dann wenigstens von unserer Seite einen Druck ausüben. Ich habe Äusserungen gehört, dass wir uns mit der Volksabstimmung abfinden können. Und auch der Genosse Lafond [Lafont] hat sich so ausgeprochen, dass die Frage ist ob der Krieg nur wegen Elsass-Lothringen fortgeführt werden soll.47

   V a n K o l: Wir haben die nämliche Frage an die andere Delegation48 gerichtet: würden sie wegen der Elsass-Lothringischen Frage den Krieg fortsetzen.

   H u y s m a n s: Ich bin der Meinung, dass jedes Land eine grosse Kultur hat. Ich habe auch die Ueberzeugung, dass die engl.[ischen] Ge[ossen]49 etwas geleistet haben während des Krieges. Leider existiert die Frage. Sie aber, Sie sagen n e i n. Nun wie kann man die Frage lösen. Wir denken, dass eine Abstimmung sowohl demokratisch als möglich sein muss. Sie sagen doch, dass Sie nicht können und wollen. Ueberzeugt, dass man so etwas machen kann. Unterschied zwischen Volksvertretung und Referendum datiert von 1913, wo auch ich Parteigänger dafür war, die Frage im Rahmen des deutschen Reiches zu lösen. Nun aber ist die Frage in eine neue Lage gekommen. Die Abstimmung wird nicht die deutschen Genossen beunruhigen. Aber es ist nur die Sache hier Frieden unter den Parteien zu bringen. Wir könnten dann etwas tun, um den französischen Genossen zu begegnen.50

   D a v i d: Der Vorschlag des Genossen Troelstra, dass Lafond [Lafont] sich in derselben Richtung bewegt habe, dass man erklären muss, dass der Krieg nicht wegen Elsass-Lothringen fortgesetzt werden dürfe. Ist das gemeint, so gilt es auch den Franzosen. Ist es gemeint, dass wir unsere Regierung beeinflussen müssen Elsass-Lothringen [her]auszugeben, so können wir es nicht.51Keine sozialistische Partei soll den Krieg verlängern, sobald ein Friede ohne Annexionen möglich ist.

   H u y s m a n s: Erinnern Sie sich die Resolution von 1915.52 Da wurde gesagt, wir wollen Elsass-Lothringen nehmen und dann abstimmen. Aber es wäre auch nicht möglich, dass Sie sagen können: Wir sind bereit ein Referendum zu machen weil wir so sicher sind, dass Elsass-Lothringen deutsch bleiben will.

   D a v i d: Keine Regierung würde sich darauf einlassen denn es wäre noch immer ein Eingriff in die Souveränität eines Staates. Was den Landtag betrifft so haben alle das Recht des Schweigens. Was man da nicht innerlich will, braucht man nicht zu sagen. Deshalb war da das Recht sich im Landtag auszusprechen. Ich glaube nicht, dass ein anderes Recht aus der Abstimmung herauskomme.

   T r o e l s t r a: Die Konferenz solle, soweit keine Verständigung in der Elsass-Lothringischen Frage erzielt wird, nicht begnügen die Frage beiseite zu schieben. Genosse David fragt: was will das sagen für uns Deutsche. Antwort: Beim Alten. So auch Lafond [Lafont] für Frankreich.

   Wir haben von einem Ententepolitiker gehört, dass wenn in Deutschland ein parlamentarisches demokratisches System aufkommt, diese Frage ihre Bedeutung verlieren wird. Vielleicht könnte man durch eine Resolution bewähren,53 dass der Krieg nicht verlängert werden darf.

   L e g i e n: Stand der Arbeiterwelt54 in den verschiedenen Ländern nah. Huysmans sagt, dass Elsass-Lothringen eine Frage ist. Ja, aber nicht für Deutschland. Für die Entente. Es ist eine Frage Englands und Frankreichs. Wenige Jahre nach 70 [1870] war es für uns keine Frage mehr. - Referendum praktisch nicht durchführbar. Man muss den Vorschlag so machen, dass er ernst genommen werden kann. Es würde unsere ganze Stellung in dieser Frage über den Haufen werfen. Die französischen Genossen haben Einfluß in ihrer Regierung. Die können deshalb diesen Einfluß ausnützen. Gestützt auf die Gründe, die wir vortragen erkennen wir an, dass der Krieg nicht wegen dieser Frage verlängert werden darf.

   V a n K o l: Würden Sie nur wegen Elsass-Lothringen den Krieg verlängern.

   D a v i d: Wir haben schon gesagt, dass wir Grenzregulierungen zugeben, aber wenn man fragt: wie wollen Sie sich stellen. Dann sagen wir: weil wir einen Frieden ohne Annexionen wollen, so können wir nicht Elsass-Lothringen [her]ausgeben. Die Unversehrtheit unseres Landes müssen wir festhalten.

   F i s c h e r: Wenn der Krieg entbrannt wäre wegen der Elsass-Lothringischen Frage, dann wäre es doch für uns ein Verteidigungskrieg.

   E b e r t: Schlage vor, dass wir wegen55 Fortsetzung unserer Denkschrift vertagen.

   Nächste Sitzung: Morgen 10 Uhr.56


Anmerkungen

1   Dem Protokoll liegt eine hschr. Fassung (Bleistift) auf deutsch von Engberg (95 S.) zugrunde, in CHA, Stockholm, N. & C., Juni 1917:2. Dort auch hschr. Notizen von Huysmans. Die mschr. Version auch in IISG, NL Troelstra, 427; dort 423 auch hschr. Notizen von Troelstra. Kurzer Auszug abgedruckt in Blänsdorf 1969, S. 387-389. Siehe auch die Version in Dok. Nr. P/32b. - Zur Sitzung Pressekommuniqué Dok. Nr. P/34d; David 1966, S. 234; Bericht Scheidemanns in MSPD-Parteiausschuß, 26.6.1917, Protokoll S. 10; Troelstra 1931, S. 126f. Scheidemanns Charakterisierung in Scheidemann 1921, S. 143: "[...] wieder eine Sitzung mit dem Friedenskomitee, in der wir uns stundenlang lediglich über Elsaß-Lothringen unterhielten. Dabei kam es zu lebhaften Zusammenstößen mit Branting und Van Kol. Wir verteidigten entschieden unseren Standpunkt und wiesen auf unsere schriftliche Antwort hin, davon gingen wir nicht ab."

2   Wie aus dem Protokoll hervorgeht waren auch Branting, Söderberg, Engberg und Huysmans anwesend.

3   Bezug auf Punkte des Fragebogen. Zum Fragebogen siehe Dok. Nr. P/15b.

4   Eine Beilage nicht auffindbar. - Memorandum der MSPD nachgewiesen in Dok. Nr. P/34a, Anm. 16.

5   Das österreichische Memorandum nachgewiesen in Dok. Nr. P/21, Anm. 1; siehe auch Pressekommuniqué in Dok. Nr. P/22a.

6   Im Memorandum der MSPD, nachgewiesen Dok. Nr. P/34a, Anm. 16: "Eine zweite Gruppe, für die das Selbstbestimmungsrecht der Nationen in Frage kommt, bilden diejenigen Völker, die ihre ehemalige Selbständigkeit verloren hatten, durch die Ereignisse des Krieges aber von der fremden Oberherrschaft sich befreit sehen. Das trifft zu für Kongreßpolen und Finnland. Die Anerkennung des Rechts der Selbstbestimmung darf ihnen nicht versagt werden". - Zur Forderung der MSPD nach Autonomie von Polen im deutschen bzw. österreichischen Herrschaftsgebiet siehe Beitrag von Tych, Die Stockholmer Konferenz 1917 und die polnische Frage, auf einer Konferenz in Stockholm, 2.-3.12.1987, S. 5. - Zu MSPD und Finnland siehe auch Dok. Nr. P/27d; Kirby 1974, S. 77f.

7   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg doppelt unterstrichen.

8   Auf dem Parteitag der SFIO im Juli 1914. - Zur Frage Elsaß-Lothringen 1917 vor allem Stillig 1975 und Stillig 1977, S. 138-142, 217f., 229-231, 252f.; Miller 1974, S. 215-221.; Blänsdorf 1979, S. 153f., 177-180, 278, 319f.; Grossheim 1978, S. 161-165; weiter auch Heidegger 1956, S. 162-174; Wehler 1962, S. 44-75, und Wehler 1970, S. 56-60; Soell 1963.

9   Georg Weill, Elsaß-Lothringen und das Reich, Neue Zeit 1901, S. 641-648, 694-698. - Salomon Grumbach auf dem Parteitag der SPD in Jena, 17.9.1913, Protokoll S. 359-361, Begründung der unten in Anm. 11 nachgewiesenen Resolution; eine weitere Stellungnahme von ihm zu Elsaß-Lothringen am 15.9., Protokoll S. 123f. Siehe auch seine Schrift Das Schicksal Elsaß-Lothringens. Reden eines elsässischen Sozialisten an zwei Nationen (Neuchâtel 1915).

10   Lücke im Text ergänzt aus der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg.

 

11   Resolution im Protokoll des Parteitags der SPD in Jena, 14.-20.9.1913, S. 182 und S. 556.

12   Deutsch-französische Verständigungskonferenz in Bern am 11.5.1913, stenographischer Bericht gedruckt Bern 1913.

13   Nach Scheidemanns Bericht in Parteiausschuß der MSPD, 26.6.1917, Protokoll S. 10, brachten Branting und auch Van Kol "die alten Ladenhüter" vor; siehe auch Urteil oben in Anm. 1.

14   Aufruf des Generalrats der IAA vom 5.9.1871.

15   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "etnogr.[afischen]". So auch in Dok. Nr. P/32a.

16   Siehe die oben in Anm. 9 nachgewiesene Schrift.

17   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "an".

18   In einem Gespräch erklärte Troelstra Gustav Mayer gegenüber, in einer Diskussion über eine Volksabstimmung, falls sich die deutschen Sozialdemokraten darauf "überhaupt einlassen", werde sich "ganz von selbst heraustellen, wie praktisch undurchführbar diese Forderung wäre. Wie blödsinnig sei es z.B. zu verlangen, dass nur die Alt-Elässer dabei Stimmrecht haben sollten". Tagebuchaufzeichnung 5.6.1917, IISG, NL Mayer, 40, S. 31.

19   Von Wendel auch Schrift Elsaß-Lothringen und die Sozialdemokratie, 1916; dazu Heidegger 1956, S. 166f. Diese Schrift wurde nach der Ankunft der MSPD-Delegation in Kopenhagen am 29.5.1917 von Hermann Müller überreicht, dän. Social-Demokraten 30.5.1917, S. 4.

20   In dem oben in Anm. 18 nachgewiesenen Gespräch wollte Troelstra die Frage Elsaß-Lothringen "auf der Konferenz möglichst bis zuletzt lassen".

21   De komende vrede en de sociaal-demokratie (Amsterdam 1916).

22   Zu dieser Haltung von Molkenbuhr Braun 1999, S. 313.

23   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg doppelt unterstrichen.

24   In der gemeinsamen Sitzung von Parteiausschuß und Reichstagsfraktion, 14.-16.8.1915, siehe Ratz 1969, S. 156.

25   Scheidemann wies auch darauf hin, daß man dies den Russen mitgeteilt habe, siehe Dok. Nr. P/32b mit Anm. 8.

26   Am 19.8.1907 in der Kommission Der Militarismus und die internationalen Konflikte, Protokoll des Stuttgarter Kongresses der Internationale, S. 81-83.

27   Die Provinz Jämtland im mittleren Nordschweden, die seit 960 zu Norwegen gehörte bzw. unter norwegischem Einfluß stand, kam durch den Frieden von Brömsebro 1645 zu Schweden. Danach setzte ein langsam verlaufender Schwedisierungsprozeß ein.

28   Siehe zu Brantings Einstellung in der Frage Elsaß-Lothringen Dok. Nr. P/21, Anm. 52.

29   Gemeint die Einverleibung von Elsaß-Lothringen unter Ludwig XIV.

30   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "gewarnt für [gegen]".

31   Lücke im Text ergänzt aus der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg.

32    In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg ursprünglich: "Es galt jedes andere als diej.[enigen] die sich der Els.[aß]Lothr.[ingischen] Partei anschlossen in der Frage zu bekämpfen."

33   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "Fussbreit".

34   Lücke im Text ergänzt aus der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg.

35   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "zurückgeg.[angen]".

36   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "innernational".

37   David demonstriert hier "die kategorische Absage an alle Vermittlungsversuche" seitens der MSPD, die Boll 1980, S. 174, hervorhebt.

38   Eberts Diskussionsbeitrag ab "Branting hat gemeint", die folgende Antwort von Branting und der anschließende erneute Beitrag von Ebert auch abgedruckt bei Blänsdorf 1969, S. 387-389, mit entsprechenden Kommentaren.

39   Bezugnahme auf Sembats Buch Faites un roi, sinon faites la paix (Paris 1913); siehe dazu auch Blänsdorf 1979, S. 26. - Ebenfalls genannt in der Vorkonferenz mit der österreichischen Delegation am 25.5.1917, siehe Dok. Nr. P/21 mit Anm. 47.

40   Hier endet der oben in Anm. 38 genannte Abdruck.

41   Außerordentlicher Kongreß der Internationale in Basel 1912.

42    In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg ursprünglich: "eine Els.[aß]Lothr.[ingische] Frage als Kampffrage anerkennen können".

43   Stellungnahme der Minderheit zu Elsaß-Lothringen siehe Miller 1974, S. 216-218; Stillig 1975, S. 69f., 73f.; Boll 1980, S. 174-179. - Siehe auch Dok. Nr. P/44a-c. Die USPD ging im Gegensatz zur MSPD von "Verständigungsnotwendigkeit" aus, so Boll 1980, S. 175, trat für das Selbstbestimmungsrecht ein und befürwortete eine Volksabstimmung.

44   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg doppelt unterstrichen; ursprünglich: "die deutsch-konservativste".

45   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg ursprünglich: "ein Gelächter".

46   Zu Gespräch mit Ernest Lafont am 10.6.1917 siehe Nachweise Dok. Nr. P/31a, Anm. 5.

47   Wahrscheinlich ist das "die Rede Troelstras, die Öl auf die Wogen goß", so Scheidemann 1921, S. 143. - Branting hörte nach Scheidemann diese Rede nicht mehr, weil er sich "wie gewöhnlich entfernte", da er "übermäßig als Redakteur und Abgeordneter beschäftigt war". Siehe auch Dok. Nr. P/28a, Anm. 4. - In "Brieven uit Stockholm" [Briefe aus Stockholm], IV (24. Juni) in Het Volk 29.6.1917, S. 1, erklärte Troelstra, daß er einem Gespräch mit Albert Thomas in Stockholm dessen Standpunkt in der Frage Elsaß-Lothringen zwar besser verstanden habe, aber seine Überzeugung sich nur bestärkt habe, daß es "wünschenswert und möglich" ("wenschelijk en mogelijk") sei, diese Frage auf der Konferenz in beiderseitigem Einvernehmen sachlich und vernüftig zu lösen.

48   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "an deren Del.[egation]".

49   Lücke im Text ergänzt aus der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg.

50   In seinen Notizen, nachgewiesen oben Anm. 1, faßt Huysmans seine Stellungnahme folgendermaßen zusammen: "1o il y a une différence entre la volonté des élus parlementaires et la volonté de la nation. De là le réferendum. 2o Cet argument est d'autant + important que les élus parl[ementaires] datent de 1913, avant la guerre, où justement par cette politique les alsaciens lorrains voulaient éviter la guerre. 3o L'argument: Les alsaciens parlent all[emand] donc sont All[emands]. Les danois du N[ord] de l'All[emagne] parlent danois et sont All[emands]. L'Allemagne contient donc des éléments non all[emands], qui ne veulent pas de l'All[emagne]. La France a contenu des éléments allemands, qui, dit-on veulent devenir français". Es finden sich auch folgende Formulierungen auf deutsch: "1) Gibt es eine Frage? Für Sie? Nein. Für die Welt? Leider (Neutralen). [...] 2) Nur zu lösen, Abstimmung. Ist dieser [...? schwer lesbar] demokratisch und möglich [... ? schwer lesbar]: ich will aber ich kann nicht ich will nicht ich kann nicht. 3) demokratisch - ja. 4) nicht möglich? ja wohl [...]. Man denkt über was? Ueber die Forderungsgedanken der Arbitrage. 5) Frage aus der Welt schaffen. Nur durch [... ? schwer lesbar] Brücke bauen. Kultur Frage ob sie mehr Kultur als die Fr[anzosen] glaube gar nicht". Siehe auch Huysmans in Dok. Nr. P/32b. - Daß "Brücke bauen" ein wichtiges Ziel war, geht auch aus Huysmans' Ausführungen in den Komiteesitzungen mit der MSPD am 12. und 13. 6.1917 hervor, siehe Dok. Nr. P/33a-b und Dok. Nr. P/34a. Auch Branting hatte am 21.-22.5.1917 die Bulgaren gebeten, als Brücke zwischen den deutschen und französischen Sozialdemokraten in der Frage Elsaß-Lothringens zu fungieren; siehe Dok. Nr. P/17, Anm. 8.

51   Stillig 1975, S. 71, weist auf die "inhaltliche Übereinstimmung" der Auffassung des deutschen Auswärtigen Amtes und des Kriegshauptquartiers mit der der MSPD hin. Dies auch eine zeitgenössische Beurteilung von Friedrich Adler, ebenso im Hinblick auf die österreichische Delegation: "commis voyageurs der Auswärtigen Ämter", zitiert bei Marin 1996, S. 122. In Mitteilungs-Blatt [USPD] Nr. 17, 22.7.1917, S. 3, weist man darauf hin, daß die MSPD-Vertreter "in Stockholm eine freiwillige Zweigstelle des diplomatischen Bureaus für die deutsche Propaganda im Ausland etabliert" hätten. - Scheidemann bestritt Gustav Mayer gegenüber, sich "im voraus" mit dem AA "ins Benehmen gesetzt" zu haben, Mayer 1949, S. 265.

52   Leitsätze der Reichskonferenz des Parteiausschusses und der Fraktion der MSPD vom 16.8.1915, siehe Nachweis Dok. Nr. P/27b, Anm. 18.

53   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "bewirken".

54   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "Arbeiterkultur".

55   In der oben in Anm. 1 nachgewiesenen Mitschrift von Engberg: "morgen".

56   Nach den Notizen von Huysmans, nachgewiesen in Anm. 1, Ende der Sitzung um 19 Uhr.