Sitzung des Holländisch-skandinavischen Komitees mit der Delegation der USPD, 22. Juni 1917

Document nr: 
P/44a
IISG, NL Van Kol, 57. Hschr. Van Kol. 1 S.1

   Haase: Restaur.[ation] Int. dans le coeur, craint Mém.[orandum] Major.[ité] essence [? schwer lesbar] désacc.[ord], est nationaliste , car intérêt all.[emand] mis trop en avant.2Abîme  intér.[êts] nation.[aux] et intern.[ationaux] difficile jeter un pont. Quand soc. cent.[raux] soutiennent Gouv[ernement], tout trav.[ail] ici en vain. Mém.[orandum] Hongrois passer internat. Nous toute guerre p. ac. droit intern.; combatter sous-mar.[ine] sans humanité.

   Branting: but rétabl.[issement] Intern.[ationale]; réunir nous soc. Entente.

   Bernstein: confér.[ence] borner infl.[uence] esprit masse.3

   Troelstra: tact. quer.[elle] intér.[ieure] allemande, kaum question internationale. Intern. fédér.[ation] [... ? schwer lesbar]. propre nations.

   Bernstein: Entente [ne] veut pas détr.[uire] peuple, mais milit. Prussien, nul paix [?] tant à pouvoir (Tr.[oelstra] "parfait"). "Ent. nul repos avant puiss.[ance] milit. allem. soit brisée".5v. Kol: Tr.[oelstra] mieux fait serm.[oner] major.[ité]

   Haase: coupable guerre tous les Gouv[ernements], mais explosion All.[emagne]; tous reconnu, maint.[enant] David escamoter, avant le meurtre Autr.[iche] déjà [...? schwer lesbar] Italie à la guerre proch.[aine], voul.[ait] agir contre les Serbes. Mobil.[isation] Russie contre l'Autr.[iche], voulant comb.[attre] Czar, envoya armées en Belg.! David Reichstag 3.12.1912

   Vantard: pas seul sold. app. annex. Balkan. Borques, [? schwer lesbar] Berl. Tagebl. (18/7 44) - guerre aproche. Avrait avec Bernstein ménace Parti, dû se soumettre. Südekum: stratégie exige viol.[ation] Belg.6

   Alsace: pas langue mais volonté peuple décide, est devenue française au coeur après Révol.[ution], Prusse éloigna.7SD perdit son influence Reichst. Depuis 1854 All.[emagne] soutient le Czarisme.

   Tous les moyens bons, quand aide vic.[toire] allem. (Scheidemann); démocr.[atisation] allemande après la guerre! Scheidemann 1 jan 1915: durchhalten! Krieg zum Siege! Minderh.[eit] matée (Kölner Zeitung) [...]

   Tant Sch.[eidemann] appui Gouv. guerre continue, quand résist.[ance] "mains vides" plus d'issue Gouv. possible.


Anmerkungen

1   Zu den Sitzungen mit der USPD am 22.-25.6.1917 auch Notizen von Troelstra (zum 22., 23., 24., 25.6.1917), IISG, NL Troelstra, 423; Notiz von Van Kol vom 24.6., IISG, NL Van Kol, 57; Erklärung in Dok. Nr. P/44b und Pressekommuniqué Dok. Nr. P/44c; Briefe von Hugo Haase am 24.6.1917, in Haase 1929, S. 147f.; Tagebuch Dittmann 1996, S. 505f. Zur Delegation sowie zu USPD und "Stockholm" Wheeler 1975, S. 29-33.; Boll 1980, S. 175f., 233-236. - Nach Höglund 1929, S. 188f., der sich auf Informationen von Arthur Engberg stützt, war das Verhältnis Brantings zu den Vertretern der USPD besser als zu denen der MSPD; "hier herrschte Einvernehmen" ("här rådde samförstånd"). In seinen Erinnerungen hebt Backlund 1952, S. 27, als Brantings Ziel hervor, durch die Stockholmer Konferenz die Internationale insgesamt "in Einklang und Zusammenarbeit" ("i samklang och samarbete") mit der USPD zu bringen. Das Auftreten der USPD vor dem Komitee sei "nobel" ("nobelt") gewesen, man könne es nur bewundern (S. 33). In einem Beileidsschreiben nach Brantings Tod am 25.2.1925 wies Kautsky auf den Aufenthalt in Stockholm 1917 hin, der "erhebend und erfrischend" gewesen sei, und "wie wohltuend der Einfluß Brantings", in ARAB, Social-Demokraten, E 1:1. - Neben den in den Notizen von Van Kol genannten Vertretern der USPD, Hugo Haase und Eduard Bernstein, waren noch Karl Kautsky und Joseph Herzfeld anwesend und wahrscheinlich Arthur Stadthagen, die alle zusammen am 22.6.1917 in Stockholm eingetroffen sind. Die Ankunft von Haase, Bernstein, Kautsky, Herzfeld und Stadthagen wurde in schwed. Social-Demokraten 23.6.1917, S. 1, mitgeteilt (mit Bild der ersten vier), wo auch die erste Sitzung genannt wurde. Hofer und Wengels kamen am 25.6. an, schwed. Social-Demokraten 26.6., S. 1. Ledebour kam am 27.6., schwed. Social-Demokraten 28.6., S. 4, und reiste am 3.7. zurück, nach Bericht von Bam am 4.7.1917, in Lademacher 19667/1, S. 526. Die Ankunft von Cohn wurde, soweit zu sehen ist, nicht gemeldet; siehe zu ihm Mitteilung vom 2.7.1917, in PA AA, WK Nr. 2 c, Bd. 4, S. 59. Er reiste am 7.7. wieder ab, schwed. Social-Demokraten 7.7.1917, S. 1. Zu den Paßproblemen der USPD-Delegation siehe Dok. Nr. P/20, Anm. 4. - Die Beteiligung der USPD an der Stockholmer Konferenz war nicht unumstritten gewesen. Am 3.5.1917 wurde aber bei zwei Gegenstimmen - die eine von Georg Ledebour - beschlossen teilzunehmen, und eine entsprechende Instruktion wurde festgelegt. Danach sollten die Delegierten zusammen mit den Delegierten aus Rußland und insbesondere des Arbeiter- und Soldatenrats sowie mit anderen Minderheitsvertretern "gemeinschaftlich" ihre Anschauungen vertreten, "vor allem den Kampf gegen die Kriegspolitik der Regierungen, den Klassenkampf", propagieren und sich "unter keinen Umständen" auf "eine schwammige, verschleierte Resolution einlassen, die sämtlichen Auffassungen gerecht zu werden versucht"; abgedruckt in Balabanoff 1926, S. 369f. Dazu Wheeler 1975, S. 29f., und zur Skepsis in der Presse der USPD Boll 1980, S. 234f.

2   Nach den oben in Anm. 1 nachgewiesenen Notizen von Troelstra vom 22.6., doch ohne Haase zu nennen: "In Memorandum D. meerderh. veel toegegeven - geen grundsätzliche verand. - alleen opportunistische overwegingen wegens Kriegskarte. Id Oostenrijkers" [Im Memorandum den deutschen Mehrheit viel zugegeben - keine grundsätzliche Änderung - nur opportunistische Überlegungen wegen Kriegskarte. Ebenso die Österreicher]. Weitere Punkte ohne namentliche Zuordnung: "Kunnen onze verhandl. doel Int. herstel dienen" [Können unsere Verhandlungen Ziel Wiederherestellung der Internationale dienen] und: "Hoe kan Int. opgericht zonder vast fondament. Geen program als diplomaten" [Wie kan die Internationale ­ohne festen Grund wiedererrichtet werden. Kein Programm von Diplomaten]. - Zusammenfassung von Haases Stellungnahme im Pressekommuniqué in Dok. Nr. P/44c. Nach Haases Brief an seine Frau, 24.6.1917, in Haase 1929, S. 149, habe er "eine dreistündige Rede gehalten unter Zustimmung meiner Freunde und mit Eindruck auf die anderen". "Troelstra, der am Anfang seinem revisionistischen Herzen Luft machen zu müssen glaubte, hat am Schluß meiner Ausführungen einen anderen Ton angeschlagen".

3   Zu Bernstein siehe auch Kommuniqué in Dok. Nr. P/44c. - Zu seiner Beurteilung der Stockholmer Konferenz z.B. Beitrag in Internationale Rundschau 1917 [Juni], S. 313-331, "Stockholm und der Völkerfriede". Siehe auch Carsten 1993, S. 125f. Nach Bernstein war das Bild der Konferenz Ende Mai "noch ziemlich verworren", aber die Separatkonferenzen "ein anerkennenswert kluges Verfahren". Aber es bestünden Meinungsverschiedenheiten nicht zuletzt in den nationalen Fragen, "die ganz zu überbrücken eine Unmöglichkeit sein wird". Einige man sich aber auf Grundprinzipien, ausgehend von der Völkerverbundenheit und der Demokratie, die nicht zur "Proklamierung einer formal gleichen Politik für alle Länder" führe, sondern je nach Lage der Länder unterschiedlich durchgeführt werde, so könne in Stockholm "wahrhaft Bedeutsames für die Sache des Völkerfriedens geleistet werden".

4   Nach einem Bericht von Lucius an Bethmann Hollweg, 10.7.1917, in PA AA, WK Nr. 2 c, Bd. 5, S. 100, habe sich vor allem Bernstein "sehr scharf" gegen den preußischen Militarismus "als den Hauptfeind" ausgesprochen. Siehe auch Bernsteins "Abrechnung" ("En vidräkning", so in der Überschrift) mit den Friedensforderungen der MSPD, in schwed. Social-Demokraten 20.6.1917, S. 7 (nach Sozialistischer Außenpolitik). - Zu Bernstein siehe auch Dok. Nr. 44c.

 

5   Albert Südekums Verteidigung der deutschen Kriegspolitik und besonders der Neutralitätsverletzung Belgiens im schwed. Social-Demokraten 24.8.1914, S. 2f., hatte Branting zu einem energischen Protest veranlaßt. Einen offenen Brief von Südekum im gleichen Tenor vom 24.3.1917 veröffentlichte Branting nicht in schwed. Social-Demokraten, siehe seine Begründung dort am 7.4.1917, S. 4. Zu Südekums Rolle Dokumentationen von Fricke/Radandt 1956, Wohlgemuth 1969, Gutsche 1970 und Laschitza/Peters 1974.

6   Zu USPD und Elsaß-Lothringen siehe Dok. Nr. P/44b, Anm. 8.