Sitzung des Holländisch-skandinavischen Komitees mit der russischen Delegation, 9. Juli 1917

Document nr: 
P/49a
IISG, NL Pieter J. Troelstra, 423. Hschr. (Troelstra), 5 S.

9 Juli

Russ. Del.

   Einladung uitgaan van Soviet

   Voorw.: ieder partij moet zich vooraf verbinden de besluiten der Konf. uit te voeren.2

   vormen I.S.B. zooveel mog. behouden

   vertrouwen partijen

   Kom: uitn. Rus. Soviet

   medeteekening vert. andere landen

   Holl-Scand. Kom. uitgebreid met Russ. Del.

   Borgbj.[erg]3 Datum einde August

   progr: antw sekr 10 juli4 - antw. aan Duitse SD

   Komm: ook Bern. Comm.5

   Zutritt: 1e. elke part. en vakv. aangesl ISB

   2epart. aangesl. Bern. Comm.

   3e. andere soc. part. die bestaan op bep. datum, als Org. Kom. hun toelating goedkeurt.6

   4o. Stemmen-verdeeling

   op grondslag I.S.B.

   elke nation. del. zelf regelen

   5. Dagorde

  

Ehrlich -7

   Bedingungen des Friedens

   Mittel den Krieg zu beenden -

   Schuldfrage nur streifen -

 

   - unerwartete Hindernisse -

   - sehr étrange -

   Grimm in Rusl.8

   Radek9

   zweideutige Stelling -

   Raad naar Zimmerwald

   = Ik: misverstand

   refus obstiné

   in oproep Raad ons initiatief verzwegen10

   delegatie - ons Komitee

   telegram der menschewiki

   Skobelew - i/z [in zaken] Zimmerw.

   oproep datum: St. Bern

   étonné étr. adresse / Soc. dem. [Social-Demokraten]/11

   1 Juni: + [unterstrichen oder: = +/- ?] 10 Juni deleg. sturen.

   nieuwe oproep, nieuwe datums

   plus étrange et indéfini

   geen leere Demonst. = loud [? schwer lesbar] princ.

   door bespreking reale basis vinden

   wij moeten eischen dat men ons geen slot in 't rad wiel

   Ehrlich: Neemen niet 2e Int. weg - wil I.S.B. behouden

   Wil Russ. In. niet geisoleerd laten

   besloten: 1e in verbind. met HollScand Kom. - 2e bijna alle Russ. part geaffilieerd aan Bern. Comm.

   Zij niet erbij wegens nieuwe Int.

   - oproep van Arb. Raad onder medew. ons Kom. + Bern. Com.  program: grootste moeilijkheid, de bijeenkomst aller partijen

   - oblig. besluiten geen groote hinderpaal.

   Krisis in elke land moet vrede brengen

   moet ook komen: dan heeft dat obligat. weinig beteekenis.

   bindend mandaat.

   Platform-progr.

   Br.[anting] Dagorde: 1o. Schuldvraag12

   allen eens, binnen zekere grenzen houden

   Rosanof hangt af van inhoud platform

   geldt alleen voor algemeene, voor alle partijen geldende, besluiten.

   bv.[bijvoorbeeld] allen tegen oorl. kredieten stemmen.

   - moreele druk.

   Ehrlich: a enkele bepaalde besluiten oblig. vooraf als voorw. stellen

   b vooraf verklaring: vereenigen met besluiten en die uitvoeren

   dus: Selbstbeschränkung der Konf.


Übersetzung

Russische Delegation

   Einladung geht vom Sowjet aus

   Bedingung: jede Partei muß sich zuvor verbinden, die Beschlüsse der Konferenz auszuführen.

   Die Formen des ISB soweit wie möglich behalten

   Vertrauen der Parteien

   Komitee: Einladung durch russischen Sowjet

   Mitunterzeichnung durch Vertreter der anderen Länder

   Holländisch-skandinavisches Komitee erweitert durch die russische Delegation.

   Borgbjerg Datum Ende August

   Programm: Antwort des Sekretariats 10 Juli - Antwort an die deutsche Sozialdemokratie

   Kommission [wohl Internationale Abteilung des Arbeiter- und Soldatenrats]: auch Berner Kommission.

   Zutritt: 1. Jede Partei und Gewerkschaft angeschlossen an das ISB

   2. Parteien angeschlossen an die Berner Kommission.

   3. Andere sozialistische Parteien, die an einem festgesetzten Datum existieren, wenn das Organisationskomitee ihre Zulassung gutheißt.

   4. Verteilung der Stimmen / auf Grundlage des ISB

   5. Tagesordnung

   Erlich -

   Bedingungen des Friedens

   Mittel den Krieg zu beenden

   Schuldfrage nur streifen

   - unerwartete Hindernisse

   - sehr étrange -

   Grimm in Rußland

   Radek

   zweideutige Stellung -

   Rat nach Zimmerwald

   = Ich: Mißverständnis

   refus obstiné

   im Aufruf des Rats unsere Initiative verschwiegen

   Delegation - unser Komitee

   Telegramm der Menschewiki

   Skobelev - hinsichtlich Zimmerwald

   Aufruf Datum: St.[ockholm] Bern

   étonné étr. adresse /Social-Demokraten

   1. Juni + [unterstrichen oder = + / -] 10. Juni Delegation senden

   erneuter Aufruf, neues Datum

   plus étrange et indéfini

   keine leere Demonstration = [bloß ?] Prinzipien

   durch Unterredung reale Basis finden

   wir müssen verlangen, daß man uns kein Hindernis in den Weg legt [?]

   Erlich: Nehmen die 2. Internationale nicht weg - wollen das ISB behalten

   Will die russische Initiative nicht isoliert sehen

   beschlossen: 1. In Verbindung mit dem Holländisch-skandinavischen Komitee. - 2. Beinahe sämtliche russische Parteien der Berner Kommission angeschlossen.

   Sie nicht wegen neuer Internationale dabei

   - Aufruf des Arbeiterrats unter Mitwirkung unseres Komitees + der Berner Kommission

   Programm: größte Schwierigkeit, das Zusammenkommen aller Parteien [zu erreichen]

- obligatorische Beschlüsse kein großes Hindernis.

   Krise in jedem Land muß den Frieden bringen

   muß auch kommen: dann hat das Obligatorische wenig Bedeutung

   bindendes Mandat

   Plattform-Programm

   Branting Tagesordnung: 1. Schuldfrage

   alle einig, in gewissen Grenzen halten

   Rosanov hängt vom Inhalt der Plattform ab

   gilt nur für allgemeine, für alle Parteien gültige Beschlüsse

   z.B. alle gegen die Kriegskredite stimmen

   - moralischer Druck

   Erlich: a einzelne festgelegte Beschlüsse obligatorisch vorher als Bedingung aufstellen, b vorher Erklärung: Zustimmung zu Beschlüssen und sie ausführen

   also: Selbstbeschränkung der Konferenz


Anmerkungen

1   Siehe auch Dok. Nr. P/49b. Damit fingen nach Welcker 1985, S. 54, "ernsthafte Verhandlungen" an. - Zu den Sitzungen mit der russischen Delegation siehe Nachweise Dok. Nr. P/47, Anm. 1.

2   Vgl. auch unten Anm. 7. Nach dem in Dok. Nr. P/47, Anm. 1, nachgewiesenen Bericht von Rosanov am 10.7.1917, war das Holländisch-skandinavische Komitee, insbesondere Branting und Vliegen - nach einer anderen Version des Berichts auch Huysmans - gegen bindende Beschlüsse, vor allem mit Blick auf die französischen und englischen Parteien. Troelstra nahm eine "vermittelnde Position" ein und plädierte dafür, daß die Beschlüsse, für die die jeweiligen Vertreter der Parteien auf der Konferenz gestimmt hätten, von den Parteien auch ausgeführt werden müßten. Diese Einstellung des Holländisch-skandinavischen Komitees nennt Rosanov auch allgemein in seinem Bericht am 2.8., nachgewiesen ebd.

3   Siehe auch Dok. Nr. P/49b.

4   Muß heißen 10. Juni, vgl. auch Dok. Nr. P/49b. Gemeint ist die Antwort des Exekutivkomitees an die MSPD am 10.6.1917 nach dem gregorianischen Kalender, d.h. 23.6.; nachgewiesen in Dok. Nr. P/47, Anm. 3. Darauf verweist Borgbjerg auch in seinem "Brev fra Stockholm" [Brief aus Stockholm] in dän. Social-Demokraten 7.7.1917, S. 3.

5   Die Frage der Beteiligung der ISK führte nach dem in Dok. Nr. P/47, Anm. 1, nachgewiesenen Bericht von Rosanov vom 10.7.1917, zu "very great disputes". Das Holländisch-skandinavische Komitee sei dagegen gewesen, auch wenn man eine Beteiligung der Minderheiten für notwendig erachte. Nach einem Bericht von Borgbjerg (9.7.) in dän. Social-Demokraten 11.7.1917, S. 3, waren die dänischen Vertreter nicht dagegen ("Derimod finder vi från dansk Side intet at invænde" [Dagegen haben wir von dänischer Seite keine Einwände]). Jede Konferenz sei "verfehlt"("forfejlet"), wenn nicht alle Parteien und alle Fraktionen teilnehmen könnten. Es sei jedoch zu bezweifeln, ob die Zimmerwalder sich letztlich beteiligen wollten. Balabanova, die "ein herzensguter Mensch, aber naiv-fanatisch, von religiös-dogmatischer Haltung" ("et ejegodt Menneske, men naiv-fanatisk, af religiøs dogmatisk Støbning") sei, sei gegen die Friedensbestrebungen des Arbeiter- und Soldatenrats und des Holländisch-skandinavischen Komitees. "Sie will Frieden nach Art der Bolschewiki und nur auf diese Weise" ("Hun vil Fred paa bolschevikisk Vis og kun paa denne Vis"). Zeth Höglund unterstütze Balabanova; dagegen stünden Carl Lindhagen und Fredrik Ström auf Seiten des Arbeiter- und Soldatenrats. Auch Nina Bang unterstrich in Internationale Rundschau, Juli 1917, S. 456, daß die dänische Delegation betont habe, "dass es für Russlands Parteien eine politische Notwendigkeit war, der Berner Kommission die Mitarbeit anzubieten".

6   Hier am linken Rand: "ISK".

7   Die richtige Einordnung dieser Notiz auf der Rückseite des Blatts ist unsicher. - Zu Erlich siehe auch seinen Beitrag "Die internationale sozialistische Konferenz", in Bulletin des Arbeiter- und Soldatenrats, Nr. 9, 19.7.1917, S. 1-3. Er hebt hier die Notwendigkeit einer "Einheitstaktik" des internationalen Proletariats hervor, um einen raschen demokratischen Frieden (ohne Annexionen und Kontributionen) zu erreichen, und das bedeute "die bindende Kraft der Konferenzbeschlüsse für alle Teilnehmer".

8   Zur "Affäre Grimm" siehe Nachweis in Dok. Nr. P/37, Anm. 9.

9   Bezieht sich wohl auf Radeks Kritik an der Plattform des Arbeiter- und Soldatenrats und an einer Konferenzbeteiligung in der Besprechung mit der ISK am 3.7.1917; dazu Dok. Nr. P/47a, Anm. 5.

10   Siehe auch Dok. Nr. P/42.

11   Am linken Rand: "Si ça reuissira t.... " [so in Vorlage]. - Gemeint ist das Telegramm des OK der SDAPR/Menschewiki an Redaktion des Social-Demokraten, am 19.5.1917 in Stockholm eingetroffen, in dem man der Konferenz zustimmte und die dem ISB angeschlossenen Organisationen zur Teilnahme aufforderte, in CHA, Stockholm, Corr., Mai 1917, Nr. 110 (Text stimmt nicht ganz mit dem Abdruck in Stockholm 1918, S. XVI, überein), Abschrift auch Nr. 142a (Bleistiftnotiz "27 mai"); in schwed. Social-Demokraten am 29.5.1917, S. 1, veröffentlicht.

12   Nach dem in Dok. P/47, Anm. 1, nachgewiesenen Bericht von Rosanov vom 10.7.1917, "insistierten" Branting und Vliegen, diese Frage aufzunehmen. "The delegation finally obtained the exclusion of this question". Siehe auch Dok. Nr. P/51a. - Das Exekutivkomitee des Arbeiter- und Soldatenrats hatte mehrheitlich die Delegation angewiesen, die Diskussion über die Kriegsschuld und die Schuld an der Spaltung der Internationale nicht zu behandeln, weil dies nur zu erbitterten Streitigkeiten führe und die angestrebte gemeinsame Aktion verhindere. Einen anderen Standpunkt nahm u.a. Pavel Akselrod; siehe Dok. Nr. P/51b, Anm. 6.