Entwurf zu einem Friedensprogramm des Holländisch-skandinavischen Komitees, 10. Oktober 1917

Document nr: 
P/72a
Abgedruckt in Stockholm 1918, S. 491-521.1

Zusammenfassung

   Die neutralen Mitglieder des Organisationskomitees2 legten in ihrem Entwurf zu einem Friedensprogramm (Manifest mit Erläuterungsschrift) "einen Vorschlag in konkreten Formeln" für die Diskussionen auf der allgemeinen Konferenz vor. Sie seien sich bewußt, daß sie keine der kriegführenden Parteien "völlig befriedigen werden", und betonten, daß es sich um "Anregungen" handele, ausgehend von den eingereichten Memoranden und den mündlichen Erläuterungen der Delegationen.3 Ausgangspunkt sei die "Grundidee" eines Verständigungsfriedens ohne Annexionen und Kontributionen "auf der Grundlage des status quo ante, mit Korrekturen". Vorgelegt würden Grundzüge für eine dauerhafte Friedensordnung, die gewisse territoriale Fragen, Kriegsentschädigungen, Nationalitätenfragen, Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts ("von der völligen Unabhängigkeit bis zur kulturellen, von der territorialen bis zur persönlichen Autonomie"), die "endgültige Parlamentarisierung und Demokratisierung der Staaten", internationale wirtschaftliche Maßnahmen, internationale Arbeiterschutzgesetzgebung im Anschluß an die Gewerkschaftskonferenzen in Leeds 1916 und in Bern 19174 sowie die Schaffung eines Völkerbundes umfassten. Diese Fragen würden jeweils in der Erläuterungsschrift näher behandelt. Notwendig sei auch die Untersuchung der allgemeinen Ursachen des Krieges.

   Für folgende nationalen und territorialen Fragen werden Lösungen vorgeschlagen:

   Belgien: Politische und wirtschaftliche Wiederherstellung, wobei eine Entschädigung "Pflicht" Deutschlands sei.

    Elsaß-Lothringen: "Der typische Fall für die Anwendung der Volksabstimmung", vor deren Entscheidung sich "jeder" beugen müsse.

   Balkan: Eine dauerhafte Befriedigung der Balkanstaaten sei eine Voraussetzung für den Frieden in Europa. Ziel bleibe die Föderation der Balkanstaaten, innerhalb derer die nationalen Streitpunkte von den betroffenen Staaten "durch friedliche Vereinbarung" gelöst werden müßten. Die sozialistischen Parteien der Balkanstaaten werden aufgerufen, gemeinsam Lösungen zu finden.

   Serbien: Politische und wirtschaftliche Wiederherstellung, letztere aus einem internationalen Fonds. Vereinigung mit Montenegro und Sicherung der Landverbindung mit dem Hafen in Saloniki, der zusammen mit seinem Umland der Verwaltung von Serbien, Bulgarien und Griechenland unterstellt werden solle.5

   Bulgarien: Angliederung des östlichen Mazedoniens bis zum Wardar (was von der serbischen Delegation gebilligt woden sei)6 und der südlichen Dobrudscha. Mitverwaltung von Hafen und Umland in Saloniki.

   Rußland: Im Zusammenwirken mit den sozialistischen Parteien der Nationalitäten des russischen Reiches Schaffung einer "demokratischen Republik mehrerer föderativer Nationalsstaaten oder autonomer Gebiete", mit Sicherung der Rechte von Minderheiten (darunter auch der Juden).

   Polen: Unabhängigkeit für Russisch-Polen, mit Sicherungen für die Rechte nationaler Minderheiten (Juden, Litauer, Ukrainer). Weitestmögliche Autonomie für die polnischen Bezirke in Österreich und Deutschland. Wiederereinigung aller Teile Polens in einem freien Staat, für die die sozialistische Internationale immer eingetreten sei, bleibe ein Ziel für die weitere Entwicklung.

   Ukraine: Für die russische Ukraine vollständige politische territorial-nationale Autonomie in einem föderativen Rußland. Eventueller Anschluß der ukranischen Gebiete Galiziens an die russische Ukraine, ansonsten territoriale Autonomie innerhalb Österreich-Ungarns bzw. Polens, falls es zum Anschluß Galiziens an Polen kommen sollte.

   Litauen (erwähnt nur unter dem Abschnitt über Polen): autonomer Teil in einem föderativen Rußland. Eventueller Anschluß der litauisch bewohnten Gebiete Russisch-Polens, andernfalls Autonomie für diese in Polen.7

   Finnland: Die Forderung nach Unabhängigkeit von Rußland, die bis zum Sturz des Zaren von der Internationale unterstützt worden sei, müsse im Interesse der russischen Revolution und deren Verteidigung gegen innere und äußere Feinde zurückgestellt werden. Der Status Finnlands solle im Einvernehmen mit dem neuen Rußland festgelegt werden.

   Österreich-Ungarn: Umwandlung in einen Bundesstaat mit Gleichberechtigung der Nationalitäten und weitgehender Autonomie für diese.

   Südslawen in Österreich-Ungarn: "Vereinigung in einem einzigen autonomen Verwaltungsgebiet", Kulturautonomie, wirtschaftliche Gleichberechtigung.

   Italienische Bezirke in Österreich-Ungarn: Eine analoge Regelung, falls sie nicht beim Friedensschluß an Italien fallen sollten.8

   Tschechen: Vereinigung der Tschechen in zusammenhängenden Siedlungsgebieten zu einem Staat mit eigener Regierung, aber Verbleib im Donau-Gesamtstaat, mit Sicherung der Rechte der deutschen Minderheit.

   Türkisch-Armenien: Aus "menschlichem" Mitgefühl Empfehlung für Unabhängigkeit von der Türkei, zumindest Rückgabe ihres Territoriums und "mit Grantien für die Entwicklungsmöglicheiten ihres nationalen und wirtschaftlichen Lebens".9

   Nordschleswig: Volksabstimmung und Grenzberichtigungen seien "erwünscht".10

   Irland: Regelung nach der Erstellung eines internationalen Statuts über Nationalitätenrechte durch den Völkerbund. Empfehlung von politischer Unabhängigkeit und wirtschaftlicher Gleichberechtigung innerhalb Großbritanniens als plausible Lösung.

   Flamen: Regelung durch den Völkerbund wie im Falle Irlands. Empfehlung von kultureller Autonomie innerhalb Belgiens als plausible Lösung.

   Jüdische Frage: Anerkennung ihres internationalen Charakters und Vorschlag ihrer Lösung im Friedensvertrag. "Personale-nationale Autonomie" für geschlossene Siedlungsgebiete in Rußland, Österreich, Rumänien und Polen sowie Schutz der jüdischen Kolonisation in Palästina.11

   Persien: Wirtschaftliche Wiederherstellung.12

   Kolonien: Als Minimum wird "administrative Autonomie für alle Gruppen der Bevölkerung, die einen gewissen Grad an Kultur erreicht haben", vorgeschlagen.13

 

   An alle sozialistischen Parteien wird appelliert, auf eine internationale sozialistische Konferenz über den Friedensschluß hinzuwirken. Die Parteien der Entente werden aufgefordert, die Gewährung von Pässen durchzusetzen; die Parteien Deutschlands und Österreichs, energisch für die Demokratisierung ihrer Staaten und eine öffentliche Präzisierung der Kriegsziele einzutreten.

   Der Entwurf zu einem Friedensprogramm werde allen angeschlossenen Parteien zugesandt mit der Bitte um Prüfung und um Rückäußerungen bis zum 1. Dezember 1917.14


Anmerkungen

1   Un avant-projet de programme de paix. Manifeste avec mémoire explicatif des délégués des pays neutres aux partis adhérents à la Conférence générale. In Histoire de la IIe Internationale 1980 (Minkoff-Reprint), Bd. 22, ist die erste Seite des Manifests vom 10.10. mit der ersten Seite des Manifests vom 18.5. vertauscht, S. 785 bzw. S. 773. Erschienen auch als separate Broschüren auf englisch, französisch und deutsch. Das Manifest veröffentlicht in schwed. Social-Demokraten 19.10.1917, S. 1f.; dän. Social-Demokraten 20.10., S. 3; norw. Social-Demokraten 24.10., S. 5; Het Volk 20.10., S. 6. Abgedruckt in SAP, Berättelse 1917, S. 29-47, und Tiden Nr. 1, 1918, S. 27-42. Ausführlich zusammengefaßt in Troelstras Rede in Amsterdam am 26.10.1917, auch als Broschüre gedruckt, "De Stockholmsche Conferentie, haar werk en beteekenis", S. 14-22, wo als Anhang S. 29-32 das Manifest abgedruckt ist. Danach wiedergegeben in Geldolf 1996, S. 328-334. - Siehe weiter Nachweise in Dok. Nr. P/72, Anm. 1. - In einem Interview vor seiner Rückreise, in schwed. Social-Demokraten 16.10.1917, S. 1, mutmaßte Troelstra, daß man in den kriegführenden Ländern mit den vorgeschlagenen Lösungen sicher nicht "allzu zufrieden" ("alltför belåtna") sei. Es seien aber dadurch Möglichkeiten für "eine erfolgreiche Friedensarbeit" ("ett framgångsrikt fredsarbete") geschaffen worden, die die Parteien durch ihre Diskussionen nutzen müßten. Damit sei der erste Arbeitsgang abgeschlossen, und zwar mit einem Ergebnis. Letzteres auch im letzten, dem 18., von Troelstras "Brieven uit Stockholm" [Briefe aus Stockholm], datiert 16.10., in Het Volk 22.10.1917, S. 1. In seinem Artikel "Stockholmskonferensens idé" [Die Idee der Stockholmer Konferenz] in Julfacklan 1917, S. 1f., geschrieben am 18.10. auf der Fähre Trelleborg-Saßnitz, weist Troelstra darauf hin, daß das Organisationskomitee, auch mit seinem Friedensentwurf, "politische Gedanken- und Kompromißarbeit" ("politiskt tanke- och kompromissarbete") geleistet habe. In seiner oben nachgewiesenen Rede am 26.10.1917, S. 16, bezeichnete Troelstra den Friedensvorschlag als "ausreichend" ("voldoende"), um die Parteien wieder zusammenzubringen. Es handele sich nicht um "die einzig möglichen" ("de eenig mogelijke"), aber "die geeignetsten Formeln" ("de mest geschickte formules"), um Übereinstimmung zu erreichen. Das entscheidende Ziel sei der Verständigungsfrieden. Die erste Periode der Friedensarbeit sei beendet, "eine Periode einer geistigen Entfaltung" ("een periode van losmaking der geesten"); es sei viel für Friedensmöglichkeiten getan worden. Mit dem Friedenvorschlag bestehe die Chance einer erfolgreichen zweiten Periode. In dän. Social-Demokraten 17.10.1917, S. 3, heißt es, daß der Friedensentwurf "eine sehr wichtige Phase in der Arbeit für die endgültige Abhaltung der Konferenz" ("et meget vigtig Led i Arbejdet for Konferencens endelige Afholdelse") sei. "Zum ersten Mal liegt jetzt ein positives und datailliertes Friedensprogramm vor"("For første Gang foreligger nu et positivt og detaillert Fredsprogram"), so ebd. am 21.10.1917, S. 4. Es sei ein "Vermittlungsvorschlag" ("Mæglingsforslag"), den die Komiteemitglieder mit ihren unterschiedlichen Auffassungen "in vollem Einvernehmen" ("i fuld Forstaaelse") erreicht hätten, dem aber natürlich nicht alle zustimmen könnten. Aber die Tatsache, daß Leute wie Troelstra, Branting, Vidnes und Borgbjerg sich geeinigt hätten, "eröffnet Aussichten auf weitere Sammlung um die somit gezogene Mittellinie" ("aabner Udsigt til videre Samling om den saaledes optrukne Midterlinje"). Am 5.11., S. 3, sprach man von einem "unleugbar neutralen und unparteiischen Friedensvorschlag" ("ubestridligt nevtrale og upartiske Fredsforslag"). In dän. Social-Demokraten 22.10.1917, S. 1, verglich man den Friedensvorschlag mit den Direktiven vom 19.10. an Skobelev für die alliierte Kriegszielskonferenz. Diese ("Det russiske Arbejder- og Soldaterraads Fredsprogram" [Das Friedensprogramm des russischen Arbeiter- und Soldatenrats], so die Überschrift) stimme "im wesentlichen" ("i det væsentligste") mit dem Manifest überein. In schwed. Social-Demokraten, wo übrigens kein Kommentar zum Friedensentwurf vorliegt, auch nicht von Branting, wurden dagegen jene Direktiven kritischer beurteilt, weil man in "seinem Zimmerwaldismus" die Verpflichtungen Deutschlands zur Wiederherstellung Belgiens und die Rechte Polens bestreite. - In Mitteilung-Blatt [USPD] 28.10.1917, Beilage, wird dem Manifest nur "platonische Bedeutung" zugesprochen. "Es ist das akademische Produkt des neutralen Reform- und Regierungssozialismus". Es sei "bezeichnend", daß die russische Delegation nicht mitunterschrieben habe. - Kautsky 1937, S. 591-598, faßt den Friedensentwurf unter der Überschrift "Stockholms dreizehn Punkte" zusammen und vergleicht diese teilweise mit Wilsons 14 Punkten (S. 598-603). - In den Tagen bis zur offiziellen Veröffentlichung des Friedensentwurfs wurden verschiedene Änderungsvorschläge, u.a. zur Übereinstimmung zwischen Manifest und Erläuterungsschrift, vorgelegt; siehe Telegramm Stauning an Huysmans, 11.10.1917, ABA, SDF, 528 (Konzept); Troelstra an Huysmans 16.10. und 17.10.1917, in CHA, Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 17 und 18. Dann wurde die fälschliche Wiedergabe durch vorzeitige Veröffentlichung in einigen Zeitungen, u.a. in De Belgische Socialist/Le Socialiste Belge, kritisiert; siehe Telegramm Troelstra, Van Kol an Huysmans, 22.10.1917, CHA, Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 30, und Antwort (Konzept) 23.10., ebd. Nr. 31, und IISG, NL Troelstra, 547; Huysmans "Note pour Troelstra", o.D. [nach 22.10], in IISG. NL Troelstra, 421; Huysmans an Het Volk, 25.10.1917, CHA, Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 37; Huysmans an Troelstra, 30.10.1917, IISG, Troelstra, 547, und Durchschlag in CHA, Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 49; Troelstra an Huysmans, 31.10., ebd. Nr. 53; "Brève déclaration" von Huysmans, 6.11.1917, ebd. Nov. 1917, Nr. 5, und auch IISG, NL Troelstra, 422 und 429, und NL Wibaut, 226, III; ARAB, NL Branting 4.1:2, sowie abgedruckt in Geldolf 1996, S. 339-342. Außerdem wurde der Vorwurf von Troelstra Huysmans gegenüber, daß die Formulierungen der Lösungsvorschläge zur Balkanfrage nicht den ursprünglichen entsprächen, diskutiert; siehe Dok. Nr. P/74a, Anm. 16.

2   Zur Frage der Unterzeichnung siehe Huysmans an Wibaut, 12.10.1917, und Antwort am 14.10.; Nina Bang an Huysmans, 19.10., und Antwort an Social-Demokraten (Kopenhagen), 20.10.; Troelstra an Huysmans, 31.10. ; sämtliche in CHA, Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 13, 15, 23, 26, 53. - Im angeführten Antworttelegramm am 20.10.1917 heißt es: "beschlossen in Namen vier Delegationen ohne spezielle Unterzeichnung". In einem Konzept zum Friedensentwurf (Manifest), mschr. mit hschr. Änderungen von Huysmans, hat Huysmans die Namen mit Blaustift durchgestrichen, in CHA, Stockholm, N. & C., Okt. 1917. In dem angeführten Brief von Troelstra am 31.10. wird die Nennung der Namen der Komiteemitglieder in der vorzeitigen auszugsweisen Veröffentlichung in De Belgische Socialist/Le Socialiste Belge kritisiert.

3   Siehe auch die gleichzeitig vorbereitete Dokumentation über die Memoranden der einzelnen Parteien und die Arbeit des Stockholmer Komitees, die der erhofften internationalen sozialistischen Konferenz als Basis dienen bzw. für deren Vorbereitung innerhalb der einzelnen Parteien weiter diskutiert werden sollten. Zu diesem Buch über "Stockholm", das auf französisch im Dezember 1917 "nearly ready" war (so Huysmans an Henderson, 18.12.1917) und im Frühjahr 1918 veröffentlicht wurde (Huysmans' Vorwort dat. 13.1.1918, im Anhang aufgenommen albanisches Memorandum, dat. 26.3.1918) und für das Übersetzungen auf englisch, deutsch und in Esperanto geplant waren, siehe Huysmans an Henderson, 18.9.1917; Korrespondenz von Huysmans mit Appelbergs Boktryckeri in Uppsala; Huysmans an Tidens förlag, 23.11.; Huysmans an Henderson, 26.11. und 18.12.; in CHA, Stockholm, Corr., Sept. 1917, Nr. 33a; Nov. 1917, Nr. 3, 6-7, 15, 19, 20, 22, 25, 30-32, 34, 38, 41, 46, 47, 51, 54; Dez. 1917, Nr. 2-5, 7-8, 14, 16, 32, 37; Jan./Feb. 1918, Nr. 37; norw. Social-Demokraten 8.10.1917, S. 1; Huysmans "Note pour Troelstra", o.D. [nach 22.10.], IISG, NL Troelstra, 421. Außerdem Unterlagen zu dieser Dokumentation (Vorwort, Manifeste, Rapport général sur les memoires, Friedensentwurf) in Form von hschr. Konzepten, mschr. Versionen, z.T. mit hschr. Verbesserungen von Huysmans, in CHA, Stockholm, Losse documenten (verschiedene Mappen). Dazu auch Geldolf 1996, S. 348-350, 401.

4   In seinen Erinnerungen schrieb Troelstra, daß diese Forderungen "nach kräftigem Drängen meinerseits" ("na krachtige aandrang van mij") in den Friedensvorschlag, den er übrigens als "mein Memorandum" ("mijn memorandum") bezeichnet, aufgenommen worden seien; Troelstra 1931, S. 148. - Sozialpolitische Fragen sollten zunächst auch in den von Troelstra konzipierten Fragebogen aufgenommen werden, siehe Dok. Nr. P/15a.

5   Siehe Vorkonferenz mit der serbischen Delegation, Dok. Nr. P/74a-c, besonders Nachweise in Dok. Nr. P/74a, Anm. 16. Auch unten Anm. 5.

6   Siehe auch Dok. Nr. P/74a, Anm. 16. - Von bulgarischer und griechischer Seite vor allem Kritik im Hinblick auf Mazedonien. In schwed. Social-Demokraten 24.10.1917, S. 8, wird eine Stellungnahme aus Sofia (22.10.) wiedergegeben, wonach "die heftigste Ablehnung bei allen ohne Rücksicht auf ihre politische Überzeugung" ("det livligaste ogillande hos alla utan åtskillnad i fråga om politisk övertygelse") herrsche; es wurde "die erstaunlichste Lösung der Balkanfrage" ("den mest häpnadsväckande lösning på Balkanproblemet") ohne Berücksichtigung des Nationalitätenprinzips kritisiert, und "die Inkompetenz der Verfasser des Manifests" ("inkompetensen hos författarene till manifestet") gebranntmarkt. Siehe weiter Telegramm von Sakasov, 25.10.1917; Union Hellenique de Suisse, 3.11., in CHA, Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 42, und Nov. 1917, Nr. 2; Theodor Alexandrov, Vize-Präsident der mazedonischen revolutionären Organisation, 25.11., "Une protestation de socialistes Grecs", o.D. [Dez. 1917?], Rakovski, "La Transsylvanie et la Macédoine", 1.12., in CHA, Stockholm N. & C., Nov. 1917 und Dez. 1917; Telegramm der Arbeiterorganisationen in Athen und Piräus, 27.12., in CHA, Dossiers, I 607 B, und mschr. Abschrift in Stockholm, N. & C., Dez. 1917.

7   Vgl. Conseil National de Lithuanie an Branting, CHA, Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 51: Litauen sei ignoriert worden.

8   Siehe Vorkonferenz mit Antonio Piscel, Dok. Nr. P/73.

9   Kritik von Comité Arménien de la Haye an Branting, 6.11.1917, und Antwort von Huysmans, daß man den Vorschlägen des Comités gefolgt sei, 15.11., in CHA, Dossiers, I 605 B ; siehe auch eine armenische Stellungnahme, o.D. [Nov. 1917?], in CHA, Stockholm, N. & C., Dez. 1917, und in Losse documenten (dort auch unvollständig hschr.).

10   Von dänischer Seite war man sehr positiv, daß diese Frage auf der Tagesordnng der internationalen Sozialdemokratie und nicht "auf der Tagesordnng des Krieges" ("paa Krigens Dagorden) erscheine, dän. Social-Demokraten 21.10.1917, S. 4.

11   Siehe Kaplanski an Huysmans, 10.10.1917, CHA, Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 9: Troelstra sei "bereit", zur Judenfrage "unsere Forderungen zu übernehmen. Die Unterstützung der jüdischen Sachen durch das Holl.-sk. Komitee würde von der grössten moralischen Bedeutung sein und in der jüdischen Arbeiterschaft, ja in der breiten jüd. Volksmasse, freudige Genugtuung hervorrufen". Zustimmende Stellungnahmen in Telegramm Poale Zion in Österreich/Rosner an Holländisch-skandinavisches Komitee, 29.10.1917, und Telegramm Lipovski an Poale Zion für Huysmans, 23.11.1917 in Stockholm eingetroffen, in CHA, Stockholm., Corr., Okt. 1917, Nr. 45, und Nov. 1917, Nr. 35.

12   Daß die politische Befreiung nicht ebenfalls angesprochen wurde, kritisierte M.A. Djemal Zadeh, Mitglied des persischen Nationalkomitees, am 30.10.1917, in CHA Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 50.

13   Siehe die Kritik von ägyptischer und indischer Seite, daß man ihre nationalen Probleme ignoriert und nur europäische Fragen angesprochen habe: Interviews von Mansur Rifaat in Nya Dagligt Allehanda 4.10.1917, S. 5, in Aftonbladet 16.10.1917, S. 6, und 21.10., S. 5; die beiden ersteren auch in Bulletin du Parti national egyptien, I, 31.10.1917, S. 19-21, 24-27. Schreiben von Mohamed Farid Bey, 29.10.1917, in CHA, Stockholm, Corr., Okt. 1917, Nr. 44, und wiedergeben auf in schwed. Social-Demokraten 30.10., S. 5, und Stockholms Dagblad 30.10., S. 6, sowie in Bulletin du Parti national egyptien, I, 31.10.1917, S. 27. Europäisches Zentralkomitee der indischen Nationalisten/Chattopadhyaya und Acharya an Holländisch-skandinavisches Komitee 16.11.1917, in CHA, Stockholm, Corr., Nov. 1917, Nr. 18 (engl.), und ARAB, Holländsk-skandinaviska kommittén, Box 1 (deutsch). Auch als Broschüre gedruckt "Indien och världsfreden. En protest mot den Holländsk-skandinaviska socialdemokratiska kommitténs fredsprogram" [Indien und der Weltfrieden. Ein Protest gegen das Friedensprogramm des Holländisch-skandinavischen sozialdemokratischen Komitees], Stockholm 1918 (Vorwort dat. Januar 1918); vorhanden in ARAB. Antwort von Huysmans am 18.11.1917, CHA, Stockholm, Corr., Nov. 1917, Nr. 23; abgedruckt in Geldolf 1996, S. 346-348. Zur indischen Stellungnahme auch Prahan 1988, S. 247f.

14   In seinem oben in Anm. 1 nachgewiesenen Artikel vom 18.10.1917, weist Troelstra auf die Bedeutung der angegebenen Frist hin; denn die Zeit sei ein entscheidender Faktor, um die Friedensziele auf einer Konferenz formulieren zu können, als "Ursache des Friedens" ("fredsorsak") statt "Erschöpfung" ("utmattning"). In seiner oben in Anm. 1 nachgewiesenen Rede am 26.10. heißt es: "Jetzt ist die Verantwortung vorläufig von uns genommen" ("Nu is de veraantwoordelijkheid vorrloopig van ons af"). Das sei "ein angenehmes Gefühl" ("een aangenaam gevoel").