Russian History

Two book reviews (in German)
Dominic, Lieven; Perrie, Maureen; Suny, Ronald Grigor (Hrsg.): The Cambridge History of Russia. Volume 1 From Early Rus' to 1689; Volume 2 Imperial Russia 1689-1917; Volume 3 The Twentieth Century. Cambridge: Cambridge University Press 2006. ISBN 0-521-86194-2; geb.; 2412 S.; 377,98 EUR.

Was heißt und zu welchem Ende beschreibt man die "Geschichte Russlands"? Für den Altmeister Wassili O. Kljutschewski war "russische Geschichte" - natürlich - Nationalgeschichte und er beschrieb sie in seinem "Kurs der russischen Geschichte", der in mehreren Bänden Anfang des 20. Jahrhunderts erschien, als Siedlungsgeschichte, als Aneignung, als Kolonisierung eines Raumes. Sie habe begonnen, als "der östliche Zweig der Slawen, der sich in der Folge zum russischen Volke auswuchs", von den Hängen der Karpaten kommend, seit dem 8. Jahrhundert in die russische Ebene vordrang und sich zunächst am Mittel- und Oberlauf des Dnjepr sammelte. Zwischen dem 13. und der Mitte des 15. Jahrhunderts habe sich der Siedlungsschwerpunkt an den Oberlauf der Wolga und ihre Nebenflüsse verschoben, und aus einem "Rußland der Städte und des Handels" war nun ein "Rußland der Teilfürstentümer und der freien Landbewirtschaftung" geworden. Zwischen der Mitte des 15. bis ins zweite Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts geriet, so Kljutschewski, die "Hauptmasse des russischen Volkes" erneut in Bewegung, sie strömte in die fruchtbaren Schwarzerdegebiete am Don und am Mittellauf der Wolga; das "moskowitische Großrußland", das "zarisch-bojarische", das "Rußland des Krieger-Landbesitzes" entstand. Schließlich griff das russische Volk" zwischen dem 17. und der Mitte des 19. Jahrhunderts noch einmal weit aus, drängte über den Ural hinweg nach Sibirien, an die Ostsee, ans Schwarze und ans Kaspische Meer, ins Kaukasusgebiet und nach Mittelasien, schuf das "allrussische Imperium", das "kaiserlich-adelige", mit den von Leibeigenen betriebenen "Ackerbau-, Fabrik- und Werksbetrieben".

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Fürst, Juliane (Hrsg.): Late Stalinist Russia. Society between Reconstruction and Reinvention (= BASEES/Routledge Series on Russian and East European Studies). London: Routledge 2006. ISBN 0-415-37476-6; geb.; 287 S.; EUR 98,50.

Der Stalinismus der 1930er-Jahre ist von Sheila Fitzpatrick einmal als "native habitat" des "homo sovieticus" bezeichnet worden.[1] Konsens ist mittlerweile" dass Menschen in der Sowjetunion nicht nur Objekte staatlicher Kampagnen waren, sondern auch die Überlebens- und Karrieretechnik der Denunziation von "Klassenfeinden" nutzten und somit Teil hatten an der Verstetigung von Unsicherheit und sozialer Mobilität.
Es waren die Erfahrungen aus dieser Zeit, die menschliches Handeln und politische Logik auf Jahrzehnte hinaus prägen sollten. Dies eruierte die Forschung der letzten 15 Jahre aber generell eher für die 1930er- Jahre. Der "Spätstalinismus" erscheint in dieser Perspektive trotz des Bruches des Zweiten Weltkriegs vor allem als Fortsetzung der Vorkriegszeit.[2] Mit "Late Stalinist Russia" ist nun ein Sammelband erschienen, in dessen Nachwort Sheila Fitzpatrick feststellt, dass der Spätstalinismus sich nicht nur stark von den 1930er-Jahren unterscheide. Gerade in dieser Periode, konzediert Fitzpatrick, seien neue Konstellationen entstanden, die sich für die Entwicklung der Sowjetunion als dauerhaft prägend erweisen sollten (S. 276ff.). Sind somit die Nachkriegsjahre als "natural habitat" des "homo sovieticus" zu betrachten?

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