Manifest des Holländisch-skandinavischen Komitees, 18. Mai 1917

Document nr: 
P/15d
Abgedruckt in Stockholm 1918, S. 481-483.1

Zusammenfassung

   Das Komitee habe unter dem Eindruck der russischen Revolution die Initiative zu einer internationalen sozialistischen Konferenz ergriffen. Eingeladen seien die der Internationale angeschlossenen Organisation sowie die Parteiminderheiten und die während des Krieges neu entstandenen Organisationen. "Cette initiative constitue une tentative sérieuse de rétablir l'Internationale socialiste comme un facteur de puissance ouvrière et de créer, par elle, les fondaments d'une paix générale sur la base des principes traditionnels de nos congrès".

   Durch separate Konferenzen mit den einzelnen Organisationen ab 15. Mai sollten deren Stellungnahmen im Krieg und ihre Friedensziele deutlich gemacht, ein gemeinsames Friedensprogramm vorbereitet und die Möglichkeit einer allgemeinen Konferenz geprüft werden. Die Teilnahme an den Separatkonferenzen lasse jeder Partei die Entscheidung offen, an einer allgemeinen Konferenz teilzunehmen.2

   Das Komitee begrüße die Konferenzinitiative des Petrograder Arbeiter- und Soldatenrats und hoffe auf baldige gemeinsame Beratungen mit einer russischen Delegation in Stockholm mit dem Ergebnis "de renforcer le travail déjà commencé et d'aboutir à une action unique".3

   Das Komitee protestiere gegen die Einflußnahme der Regierungen auf die Konferenz durch Paßbewilligung bzw. Paßverweigerung. Die Internatioanle vertrete keine Interessen irgendeiner der kriegführenden Mäche. Das Komiee konstituiere sich "comme 'un centre permanent' de l'action du prolétariat en faveur d'un paix socialiste".4


Anmerkungen

1   Zwei hschr. Entwürfe auf franz. von Huysmans, hschr. Teilentwurf auf deutsch von Troelstra und Versionen des Manifests auf deutsch, franz., engl., schwed., mit hschr. Verbesserungen, in CHA, Stockholm, N. & C., Mai 1917:2. Vielfältig in der Presse abgedruckt, u.a. in schwed. Social-Demokraten 19.5.1917, S. 4 (schwed.), 22.5., S. 3 (franz.), 23.5., S. 3 (deutsch), 24.5., S. 3 (engl.). In Histoire de la IIe Internationale 1980 (Minkoff-Reprint), Bd. 22, ist die erste Seite des Manifests vom 18.5. mit der ersten Seite des Manifests vom 10.10. vertauscht, S. 773 bzw. S. 785. - Zur Bearbeitung siehe Dok. Nr. P/13.

2   Im Gespräch mit den französischen und englischen Delegationen am 19.5.1917, nachgewiesen in Dok. Nr. P/15c, Anm. 3, wurde die Frage von Vorbedingungen, gestellt von Moutet, diskutiert. Branting, Huysmans und Troelstra hätten erklärt, man wolle keine Bedingungen stellen, um nicht irgendeine Partei auszuschließen. Man wolle auch nicht gewisse Fragen von vornherein ausschließen, beispielsweise Elsaß-Lothringen, wonach Moutet gefragt hatte, sondern alles solle zur Sprache kommen. Aber die Parteien würden ja gefragt, ob man die Teilnahme an der allgemeinen Konferenz an gewisse Bedingungen knüpfe. Allerdings habe Huysmans gesagt, daß die Russen Bedingungen stellen könnten, und das würde Aussschließung bedeuten. Troelstra, der zuvor gesagt habe, die russischen Fragen und Bedingungen entsprächen den unsrigen, habe darauf geantwortet, das sei unmöglich, das würde die Spaltung in jeder Nation bedeuten. - Das Ziel der Vorkonferenzen habe Branting folgendermaßen umschrieben: "Quand nous aurons les dossiers de chaque section, il sera constaté une volonté très ferme de faire une conférence générale et c'est alors qu'on examinera les réserves de certaines sections. Nous pourrons juger la situation internationale bien plus clairement après nos consultations".

3   Im Gespräch mit den französischen und englischen Delegationen am 19.5.1917, nachgewiesen in Dok. Nr. P/15c, Anm. 3, wurde auch die russische Initiative angesprochen. Branting habe erklärt, man werde trotz der russischen Initiative, die man begrüße ("Nous avons décidé de saluer l'invitation de la Russie comme un signe de sentiment pour la restauration de l'Internationale"), am eigenen Konferenzprojekt weiterarbeiten, aber mit der russischen Delegation konferieren. "Nous voulons bien marcher avec la révolution russe, mais nous ne voulons pas nous laisser mettre de côté. J'ai dit aux Russes: vous êtes des belligérants; il faut que ce soient des neutres qui convoquent". Huysmans habe gesagt, die Russen seien Zimmerwalder, und das sei gefährlich ("et c'est dangereux"); sie gehörten außerdem zu einer kriegführenden Partei.

4   Unterzeichner des Manifests: Hjalmar Branting, Gustav Möller, Ernst Söderberg, Jacob Vidnes, Thorvald Stauning, Johan Willem Albarda, Pieter J. Troelstra, Henri Hubert van Kol, Camille Huysmans und Arthur Engberg.