Sitzung der holländischen ISB-Delegation in Laren, 15. April 1917

Document nr: 
P/01a
CHA, Stockholm, N. & C., April 1917. Mschr., 1 S.1

Vergadering der Hollandsche Delegatie te Laren op 15 April 1917.2

 

Aanwezig: Troelstra, Van Kol, Albarda, Wibaut, Huysmans.

   Besluit:

   1) Het Bureau zal voorlopig naar Stockholm gebracht worden.3

   2) De Nederlandsche delegatie4 besluit te Stockholm een internationale conferentie saam te roepen,5 waarop ook de minderheden der oorlogvoerende naties zullen uitgenoodigd worden.6

   3) Het middel deze conferentie te doen gelukken is het contact der Russen met Centralen en Entente uit te breiden.7

   4) In politiek opzicht aanvaardt de vergadering de standpunten van Kerenski en Wilson.8


Übersetzung

   Sitzung der holländischen Delegation in Laren am 15. April 1917.

Anwesend: Troelstra, Van Kol, Albarda, Wibaut, Huysmans.

   Beschlüsse:

   1.Das Bureau soll vorübergehend nach Stockholm verlegt werden.

   2. Die holländische Delegation beschließt, eine internationale Konferenz nach Stockholm einzuberufen, zu der auch die Minderheiten in den kriegführenden Ländern eingeladen werden.

   3. Das Mittel zum Gelingen dieser Konferenz ist die Erweiterung der Verbindungen der Russen mit den Sozialisten der Mittelmächte und Entente.

   4. In politischer Hinsicht übernimmt die Sitzung die Standpunkte von Kerenskij und Wilson.


Anmerkungen

1   Zitiert auch bei Geldolf 1996, S. 196. Dort S. 197f. auch die Benachrichtung von Branting, Stauning und Vandervelde über diesem Beschluß durch Huysmans am 16.4.1917 abgedruckt. - Zur Sitzung, die im Haus von I. Keesing stattfand, wo sich Troelstra nach Ostern zur Erholung aufhielt - dazu Troelstra 1931, S. 114, das Haus abgebildet S. 113 -, gibt es kein ausführliches Protokoll, sondern neben dem wiedergegebenen Beschlußprotokoll zum einen noch Notizen des Handlungsplans von Troelstra und Notizen von Huysmans sowie ein Pressekommuniqué, Dok. Nr. P/01b, Nr. P/01c und P/01d. Zum anderen Berichte, die auch die Motive und Ziele der Beteiligten deutlich machen: österreichischer Bericht aus Amsterdam 18.4.1917, Dok. Nr. P/01e; Interview von Troelstra in Het Volk am 20.4.1917, Dok. Nr. P/01f; Interview mit Huysmans am 18.4. 1917 in Nieuw Haagsche Courant am 18.4.1917; Wibaut, Stockholm, in Het Weekblad 7.5.1917, S. 1f.; Troelstra in "Brieven uit Stockholm" [Briefe aus Stockholm] I, datiert 19.5., in Het Volk 25.5.1917, S. 5; Huysmans im Stockholmer Dokumentationsband Stockholm 1918, S. VIf.; Memoiren von Troelstra 1931, S. 112-116, und von Wibaut 1936, S. 236. - Von Bedeutung war vor allem der psychologische Augenblick zum Handeln, so in Troelstras angeführtem Interview und im "Brief aus Stockholm" sowie im österreichischen Bericht. Troelstra wies in einem Interview in dän. Social-Demokraten 25.4.1917, S. 4, ebenfalls darauf hin, wie auch Vliegen bei seinen Gesprächen mit den französischen Sozialdemokraten in Paris am 15.5. an, Bericht in Het Volk 23.5.1917, S. 2.

2   Die Einladung zur Sitzung erfolgte durch Albarda am 14.4.1917. Am gleichen Tag bat Troelstra Huysmans, die Komiteemitglieder auf den 16.4. einzuberufen. Geldolf 1996, S. 196.

3   Stockholm war nach Troelstra 1931, S. 114, "der geeignete Ort" ("de aangewezen plaats"), weil alle, die mit dem neuen Rußland in Verbindung treten wollten, über Stockholm reisen mußten. In einem Interview am 18.4.1917 (in Nieuwe Haagsche Courant) erklärte Huysmans: "Wir reisen nach Stockholm, um näher an Rußland zu sein" ("Vi resa till Stockholm för att vara närmare Ryssland"), wiedergegeben nach Berliner Tageblatt in Svenska Dagbladet 20.4.1917, S. 6. In einem Bericht von in De Belgische Socialist/Le Socialiste Belge 2.6.1917 - mschr. Manuskript auf franz., geschrieben am 16.5., in CHA, Stockholm, Corr., Mai 1917, Nr. 105 - spricht Huysmans von "la 'voie de la liberté', la route conduisant à Pétrograde". Stillig 1977, S. 16, bezeichnet Stockholm als "verkehrsgünstige Drehscheibe" zwischen Ost und West.

4   Daß die Initiative von der holländischen ISB-Delegation und nicht von der ISB-Exekutive ausging, hob auch Troelstra hervor, Dok. Nr. P/01b, und das wurde immer wieder betont, z.B. von Troelstra im Interview in Het Volk 20.4.1917, S. 1f. (hervorgehoben auch als Zwischenüberschrift), Dok. Nr. P/01f; in der ersten Sitzung des Holländisch-skandinavischen Komitees, 3.5.1917, Dok. Nr. P/06b und Nr. 06c.; Wibaut in Het Weekblad 7.5.1917, S. 1f.; Branting auf der Sitzung des Skandinavischen Zusammenarbeitskomitees am 9.5. 1917, Dok. P/07, Anm. 3; Vliegen bei seinen Gesprächen in Paris am 15.5., Bericht in Het Volk 23.5.1917, S. 2; Huysmans auf der Sitzung mit Vandervelde am 12.5.1917, Dok. Nr. P/09; Troelstra "Brieven uit Stockholm" [Briefe aus Stockholm] I, Het Volk 25.5.1917, S. 5; Huysmans in Stockholm 1918, S. VII. Dies betonte im übrigen auch Vandervelde in seinen ersten kritischen Stellungnahmen, mit der Absicht der Konferenz den Charakter einer separaten Rumpfkonferenz zu verleihen, siehe Dok. Nr. P/09, Anm. 11; so auch in Vandervelde 1918, S. 172. - Nach Troelsta in seinem angeführten "Brief aus Stockholm" überspiele der psychologische Augenblick zum Handeln Rücksichtnahmen formaler oder personeller Art, d.h. daß nicht die gesamte ISB-Exekutive agiert und man die belgischen Exekutivemitglieder desavouiert habe; so auch als Antwort auf kritische Stimmen zum holländischen Beschluß. Ähnlich hinsichtlich allzu bindenden Formen zuvor Van Kol im Gespräch mit De Brouckère am 30.4.1917, Dok. Nr. P/05. - Es war notwendig, eigenständig vorzugehen, weil es "onmogelijk" ("unmöglich") war, mit den Belgiern zusammenzukommen, so Van Kol am 30.4., Dok. Nr. P/05, oder nach Huysmans in Stockholm 1918, S. VII, "quasi impossible de réunir ces deux délégations". Neben den sozusagen geografischen Gründen, die Huysmans anspricht, waren es in erster Linie unterschiedliche Auffassungen über eine internationale Konferenz, und da war ein Einvernehmen nicht möglich. Darauf verwies auch Wibaut in seinem in Dok. Nr. P/01c, Anm. 3, nachgewiesenen Schreiben vom 13.4.1917. Das unterstreichen später Troelstra 1931, S. 114, und Wibaut 1936, S. 237f.

5   Der Vorschlag, eine internationale Konferenz einzuberufen, kam von Troelstra, im Einvernehmen mit Huysmans, auf dessen Rolle Troelstra in seinen Erinnerungen besonders hinweist ("nauwe samenwerking" [enge Zusammenarbeit], "zijn volledige medewerking" [seine vollständige Mitarbeit], Troelstra 1931, S. 114f. Darauf verweist auch Wibaut, der nach eigener Aussage ebenfalls an den vorbereitenden Überlegungen beteiligt gewesen sei, Wibaut 1936, S. 236. Geldolf 1996, S. 191, will die "Vaterschaft" erweitern und verweist in erster Linie auf Huysmans und dessen in Dok. Nr. P/01c, Anm. 4, nachgewiesene Telegramme vom 12.4.1917. - Nach Wibaut habe sich Troelstra zuvor auch der Zustimmung der MSPD versichert, womit aber wahrscheinlich die nachfolgenden Gespräche in Berlin am 19.-23.4.1917 auf dem Weg nach Stockholm gemeint sind. Siehe auch Troelstras Interview am 20.4.1917, Dok. Nr. P/01f. - Die Reaktionen der Sitzungsteilnehmer nach Troelstra 1931, S. 114: "Ik vond bij allen enthusiaste instemming med mijn plan" [Ich fand bei allen begeisterte Zustimmung zu meinem Plan].

6   Nach Troelstra "Brieven uit Stockholm" [Briefe aus Stockholm] I, Het Volk 25.5.1917, S. 5, wurde das als "eine unbedingte Notwendigkeit" ("eene onvoorwaardelijke noodzakelijkheid") angesehen. Die Minderheiten seien, so im Interview vom 20.4.1917, Dok. Nr. P/01f, "die Brücke" ("de brug") zwischen den Parteien der kriegführenden Ländern, repräsentierten zudem "am meisten das internationale Element" ("het meest het internationale element) und seien vor allem Gegengewichte zu den Positionen der Mehrheitsparteien der Entente bzw. der MSPD.

7   Zu den Kontakten mit den russischen Sozialisten und den verschiedenen Reisen nach Petrograd siehe den vorbereiteten Korrespondenzteil 1917. Siehe auch Dok. Nr. P/01f.

8   Siehe dazu Dok. Nr. P/01b und Nr. P/01f.