Familienunternehmen werden gegenwärtig nicht nur durch eine fortwährend unruhige Konjunktur und anhaltenden geopolitischen Krisen herausgefordert. Der Aufschwung populistischer Bewegungen nicht nur in der Bundesrepublik und womöglich weitere Wahlerfolge der Alternative für Deutschland (AfD) stellen den demokratischen Rahmen ihres unternehmerischen Handels in Frage. Darüber hinaus werden in Zeiten zunehmender Radikalisierung die Stimmen in der Öffentlichkeit lauter, die von ihnen verlangen, „Haltung zu zeigen“, sprich: Demokratie, gesellschaftliche Toleranz und Rechtsstaatlichkeit offensiv zu verteidigen.
In der Tat gaben einige Familienunternehmen in jüngster Vergangenheit ihre politische Zurückhaltung auf und liefen etwa gegen die Entscheidung des Verbands „Die Familienunternehmer“ im Herbst 2025 mit Erfolg Sturm, AfD-Abgeordnete zu parlamentarischen Abenden einzuladen. Auch in anderen Initiativen, wie z.B. betriebsinterne Schulungen oder die Partizipation an digitalen Netzwerken, die das Bewusstsein für die Vorzüge demokratischer Spielregeln schärfen sollen, zeigen womöglich ein neues politisches Selbstverständnis von Familienunternehmen an.
In seiner 22. Sitzung will der Arbeitskreis den Beziehungen zwischen Familienunternehmen und Politik und ihrem Wandel in historischer Perspektive nachgehen.
- Wie kommunizierten Familienunternehmer ihre politischen Anliegen? Über direkte persönliche Kontakte und Netzwerke? Über eher institutionalisierte Formen wie Vereine und Interessenverbänden?
- Warum und mit welchen Ergebnissen haben sich Familienunternehmer:innen aktiv in der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik engagiert?
- Wie haben sich Familienunternehmen mit politischen Schlüsselereignissen, gerade mit den großen politischen Systembrüchen im 20. Jahrhundert, auseinandergesetzt? Vor welchen Hindernissen und Hürden standen Familienunternehmen in den USA? Wie wurden unterschiedliche Wirtschaftskulturen und Geschäftspraktiken in Einklang gebracht? Wie wurden geeignete Arbeitskräfte gefunden?
- Gibt es wiederkehrende Vorbehalte gegen das „politische Geschäft“ bzw. wiederkehrende politische Forderungen und Erwartungshaltungen über politische Zäsuren hinweg?
- Wann und warum änderten sich ihre politischen Einstellungen?
- Seit wann gehört das Engagement für die Demokratie zum unternehmerischen Selbstverständnis?
- Gibt es Fallbeispiele, wie Familienunternehmen mit extremen politischen Meinungen in der Belegschaft umgingen?
- Lässt sich ein längerfristiger Trend von einem neutral-distanzierten zu einem engagierten prodemokratischen Politikverständnis zeigen?
Dieser Call for Papers richtet sich an Historiker:innen, die laufende oder abgeschlossene Forschungsprojekte zum diesem Thema präsentieren wollen. Der Workshop ist für Teilnehmer:innen aller Qualifikationsstufen offen, für Doktorand:innen in der Frühphase ihrer Dissertation bis hin zu habilitierten Historiker:innen.
Vorschläge zu Vorträgen, inklusive einer kurzen Angabe zu Ihrer Person (zusammen etwa eine Textseite), schicken Sie bitte als PDF-Dokument per E-Mail bis zum 30.11.2026 an die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V., Frau Dr. Andrea H. Schneider-Braunberger: ahschneider@unternehmensgeschichte.de oder an Dr. Jörg Lesczenski: lesczenski@unternehmensgeschichte.de.
Programm
Das Tagungsprogramm wird auf der Grundlage der hier eingegangenen Vortragsvorschläge erstellt.
tarka@unternehmensgeschichte.de
Inhaltliche Fragen an: Frau Dr. Andrea H. Schneider-Braunberger: ahschneider@unternehmensgeschichte.de oder Dr. Jörg Lesczenski: lesczenski@unternehmensgeschichte.de