Socialist Lifestyle

Three book reviews (in German)


Stitziel, Judd: Fashioning Socialism. Clothing, Politics and Consumer Culture in East Germany. Oxford: Berg Publishers 2005. ISBN 1-84520-282-1; Paperback; XII, 260 S.; $29.95.

Wer sich schon immer gefragt hat, ob es Mode im Sozialismus der DDR gab, dem sei das 2005 erschienene Buch von Judd Stitziel empfohlen. Diese kenntnis- und materialreiche Studie untersucht den Zeitraum von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1971, wobei die 1950er-Jahre im Vordergrund des Forschungsinteresses stehen. Fashioning Socialism rekonstruiert exemplarisch Ideal und Wirklichkeit der ostdeutschen Konsumgesellschaft. Die Quellen des Autors umfassen offizielle normative Unterlagen aus der Regierung, Industrie und dem Handel, zeitgenössische Publikationen wie Modezeitschriften, narrative Interviews sowie Bild- und Tonmaterial aus der DDR.

In der Einleitung definiert Stitziel Bekleidung neben Essen und Trinken als drittes Grundbedarfsgut, das wesentlich durch gesellschaftliche Diskurse und Debatten bestimmt wird. Diese sollen in seinem Buch aus der Perspektive der Institutionen- und Diktaturgeschichte, der Wirtschaftsgeschichte sowie einer kulturgeschichtlich inspirierten Sozialgeschichte beleuchtet werden. Die These des Autors ist,

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Brunnbauer, Ulf: "Die sozialistische Lebensweise". Ideologie, Gesellschaft, Familie und Politik in Bulgarien (1944-1989) (= Zur Kunde Südosteuropas II/ 35). Wien: Böhlau Verlag/Wien 2007. ISBN 978-3-205-77577-5; 768 S.; EUR 69,00.

Ulf Brunnbauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Osteuropa-Institut der FU Berlin, bleibt Bulgarien auch mit seiner kürzlich veröffentlichten Habilitationsschrift treu. [1] Allerdings geht mit dem Wechsel zur sozialistischen Ära des Landes und seiner (schein-) modernen Gesellschaftspolitik eine Vermehrung der zu berücksichtigenden Akteure samt ihrer jeweiligen normativen Ansprüche sowie der statistischen Vergleichsmöglichkeiten einher. Einerseits gilt es, die politischen Strategien der KP-Funktionäre aufzuzeigen, die diese anwandten, um die von ihnen gewünschte Gesellschaftsordnung und -moral durchzusetzen. Andererseits soll die daraus resultierende Sozial- und Familienpolitik auf ihre "realsozialistische" Wirkungsmacht geprüft werden.

Eine umfangreiche Einleitung entfaltet die zentralen Themen und Fragestellungen. Ausgangspunkt ist das Primat der Partei als zentrale Machtinstanz nach 1944 und deren utopische Erwartungshaltung in Bezug auf eine umfassende gesellschaftliche Umwandlung, das heißt massive Eingriffe in bestehende Eigentumsverhältnisse, Industrialisierung, Modernisierung, eine neue Wirtschafts- und Arbeitsorganisation und die Revolutionierung der kulturellen Sphäre. Der "neue Mensch" sollte parallel dazu ein sozialistisches Gemeinschaftsleben entwickeln. Der Ursprung dieser Utopien

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Bernstein, Frances Lee: The Dictatorship of Sex. Lifestyle Advice for the Soviet Masses. DeKalb: Northern Illinois University Press 2007. ISBN 978-0-875-80371-5; geb.; 246 S.; EUR 34,50.

Wie veränderte der bolschewistische Umsturz von 1917 das Sexualleben in Russland? Durften Komsomolzen onanieren? Und was hatten kastrierte Hähne zu den Geschlechterbeziehungen im ersten sozialistischen Staat beizutragen? Einiges, was man schon immer über Sex im Zeitalter der Revolutionen wissen wollte, zu fragen aber bislang keine Muße hatte, lässt sich nun nachlesen.[1] Denn Frances Lee Bernstein hat mit ihrem Buch "Die Diktatur des Geschlechts" eine Ideengeschichte der Sexualaufklärung in der vorstalinistischen Sowjetunion veröffentlicht.

Die Autorin will dem Leser die postrevolutionäre Gesellschaft der 1920er-Jahre vorführen, die von der Geschlechterfrage besessen gewesen sei. Das Reden über Mann und Frau und ihre Beziehungen habe alle zeitgenössischen Debatten bestimmt. Im Sinne Michel Foucaults will Bernstein erzählen, wie die Wissenschaft die öffentliche Verständigung über und die individuelle Erfahrung von Sexualität veränderte.
Gleichzeitig möchte Bernstein zwei Standardfragen der Geschichtsschreibung über die frühe Sowjetunion neu beantworten.Erstens: Waren die 1920er-Jahre im Vergleich zur Zeit des Stalinismus tatsächlich liberaler? Zweitens: War der "great retreat" tatsächlich ein Rückzug, bei dem das Regime allzu revolutionäre Utopien aufgab? Um Antworten zu finden, hat die Autorin Klassiker der frühen sowjetischen Sexualaufklärung gelesen. Sie hat darüber hinaus Archivalien des Moskauer Medizinischen Museums, des Archivs für Sozialhygiene und des Russischen Staatsarchivs verwendet. Das empirische Material unterzog sie einer Diskursanalyse.

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