Die vierte Tagung der German Labour History Association (GLHA) befasst sich mit der Bildungsgeschichte von und für Arbeiter:innen in sozial- und kulturgeschichtlicher Perspektive vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Die Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegung sowie die mit ihr verbundenen sozialen und politischen Bewegungen (wie Sozialdemokratie oder proletarische Frauenbewegung) waren immer auch Bewegungen, die im Kern versuchten, durch Bildung Selbstermächtigung und alternative politische Handlungsformen zu erreichen. Gleichwohl unterlag Bildung von oder/und für Arbeiter:innen in der sozialen und politischen Praxis stets divergierenden, gesellschaftlichen und individuellen Interessen.
Die Tagung soll die Bildung von „Arbeiterinnen“ und „Arbeitern“ (in einem weiten Begriffsverständnis) mit einem Fokus auf die Verflechtungen von Arbeit, Bildung und Ermächtigung beleuchten. Im Zentrum steht die Frage, wie Arbeiter:innen nicht nur als Akteur:innen sozialer Bewegungen, sondern auch als Produzent:innen und Träger:innen von Ideen und Konzepten sichtbar gemacht werden können.
Programm
Mittwoch, 11.11.2026
Vorher: Mitgliederversammlung German Labour History Association
15:30 Uhr: Begrüßung und Einführung: Sibylle Marti, Wiebke Wiede
15:45–16:45
Moderation: Sibylle Marti
Keynote
Sabine Reh, Zwischen Pädagogisierung von Strukturproblemen und Selbstregulation. Bildungsmaßnahmen für Erwerbslose (1914–1933)
16:45–17:00 Uhr: Pause
17:00–18:15 Uhr: Arbeiter:innenbildung in der DDR
Moderation: Till Kössler
Maike Sophia Baader/Sandra Koch, Die Darstellung und Thematisierung der lesenden und sich bildenden Arbeiter:innen in Bildungsmedien der DDR
Christopher Hölzel, Vom humanistischen Bildungsideal zur musealen Praxis: Museumspädagogik und soziale Öffnung in der DDR am Beispiel der Staatlichen Museen zu Berlin
Abendessen im Halleschen Brauhaus (Selbstzahlerbasis)
Donnerstag, 12.11.2026
09:00–10:45 Uhr: Angleichung-Abgrenzung: Strategien gesellschaftlicher Durchsetzung
Moderation: Johanna Wolf
Ingrid Miethe, „Wie gewinnen wir die Jugend für den Sozialismus?“ Die Kontroverse um die sozialistische Kinder- und Jugendbildung im Wilhelminischen Deutschland.
Claudio Steiger, „So schritt die Agitation frisch und freudig vorwärts.“ Debatte und Praxis der Arbeiterinnenbildung um 1900 (Berlin/Zürich)
Jan zum Mallen, Rechtliche Bildung und Rechtsberatung im Deutschen Landarbeiterverband (ca. 1890–1933)
10:45–11:00 Uhr: Pause
11:00–12:45 Uhr: Umgang mit Differenz
Moderation: Niklas Venema
Jan Kellershohn/Daniel Pöhl, Differenz ausbilden. Die Umschulungswerkstätten für Siedler und Auswanderer in Bitterfeld (1931–1945)
Selina Breitbach, „Arbeitsplatz Deutschland“: Migrant Training Programs in West-German Companies, 1955–1973
Manuel Lautenbacher, Arbeiter:innenbildung zwischen Multinationalität und Nationalisierung. Die sozialistische Bukowiner „Bildungsgemeinschaft“ 1926–1931
12:45–14:30 Uhr: Mittagspause
14:30–16:15 Uhr: Bürgerliche und konfessionelle Kontexte
Moderation: Vincent Streichhahn
Marcus Gräser, Bürgerliche Sozialreform und Arbeiter:innenbildung. Deutschland und die USA im Vergleich, 1860–1920
Malte Ebner von Eschenbach, Artikulation vor Position. Die Bildungspraxis im Karlsruher Arbeiterdiskussionsklub
Jacopo Ciammariconi, Politische Bildung, Arbeit und Konflikt: Die FIM-CISL und die Entstehung einer neuen Gewerkschaftskultur
16:15–16:45 Uhr: Pause
16:45–17:45 Uhr: Verleihung Thomas-Welskopp-Dissertationspreis
18:00 Uhr: Kleiner Empfang
Freitag, 13.11.2026
09:00–10:45 Uhr: Subjektivierung und Selbstbildung
Moderation: Jens Elberfeld
Susanne Boehm/Adrian Weiß, „… aufwärts aus der seelischen und geistigen Not […] und aufwärts aus der wirtschaftlichen Not!“ – Gewerkschaftliche Adressierung und Eigensinn junger Arbeiter⁎innen in der frühen Bundesrepublik (1948–1955)
Daniel Rothenburg, Learning by doing: Selbstbildung und Wissensvermittlung in der englischen Genossenschaftsbewegung, ca. 1850er–1870er
Hilke Hammer, „Lernt selbst die sozialistischen Ideen kennen, damit ihr sie lehren könnt.“ Die politische Bildung zu Anti-/Militarismus in der Zeitschrift Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (1892–1923)
10:45–11:00 Uhr: Pause
11:00–12:45 Uhr: Transformationsphasen
Moderation: Stefan Müller
Henning Podulski, Literaturvermittelte politische Bildung aus der Werkstatt. Der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt zwischen kollektiver Literaturproduktion und politischer Bildungsarbeit
Yves Müller, „Arbeit und Leben“ in der Transformation. Gewerkschaftliche Erwachsenenbildung und Zivilgesellschaft am Beispiel der HVHS „Akademie Haus Sonneck“ in Sachsen-Anhalt, 1990–2003
Leandra Ulrike Oles, Arbeiterinnenbildung jenseits institutioneller Räume: Informelle Lernprozesse, Selbstermächtigung und politisches Handeln in der Fraueninitiative Rheinhausen (1987/88)
12:45-13:00: Pause
13:00–13:30: Abschluss
Wiebke Wiede, wiede@uni-trier.de